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  • Kritik: Durchgeknallte Drogengroteske

    Mehr als 250 Werbespots und Musik-Videos hat der schwedische Regisseur Jonas Akerlund bisher realisiert, darunter stilbildende Clips für Madonna-Songs wie "Ray of Light", "Music" und "American Life". Offenbar eine hinreichende Empfehlung für den ersten Kinofilm: Mit "Spun" legt er eine durchgeknallte Drogengroteske über eine Gruppe von Junkies und ihre Dealer in Los Angeles vor, die die Zuschauer in einen visuellen Strudel aus mehr als 4500 Schnitten reißt, was vermutlich eine Rekordleistung im fiktionalen Film darstellt.

    Der stets nervöse Ross ist Mitte 20, gerade vom College geflogen und von seiner Freundin Amy verlassen worden. In einem Vorort von Los Angeles hängt er mit dem paranoiden Dealer Spider Mike und dem pickeligen Videospiel-Freak Frisbee ab und tröstet sich mit Drogen. Bei Mike lernt er die Stripperin Nikki kennen, die ihm einen Job bei ihrem Freund "The Cook" besorgt.

    Der Regisseur tobt sich richtig aus

    Der braut in einem vergammelten Motelzimmer eine grünliche Drogensuppe zusammen und braucht dringend einen Chauffeur. Für seine Fahrdienste wird Ross mit einem Tütchen voller berauschender Kristalle belohnt. Damit beginnt für ihn ein dreitägiger irrwitziger Drogentrip, auf dem er keine Minute die Augen zubekommt.

    Das schwedische Clip-Wunderkind und seine bewährten Helfer durften sich in "Spun" so richtig austoben, um dem Opus einen hippen Look zu geben. Akerlunds Stammkameramann Eric Broms drehte mit zahlreichen Spezial-Objektiven, irritiert mit etlichen Reißschwenks und zeichnet für die verwaschenen Farben verantwortlich. Und um die hyperrasanten Schnittfolgen in nervöser MTV-Manier zu bewerkstelligen, verbrachte der Regisseur mit dem Cutter Leonard Palmestaal fast sechs Monate im Schneideraum.

    Als Sympathieträger taugen die Hauptfiguren wenig

    Das Ergebnis hält den Vergleich mit erfolgreichen Drogendramen wie "Trainspotting", "Requiem for a Dream" und "Fear and Loathing in Las Vegas" aus. "Spun" ist frecher im Ton, rotziger im Stil, schmutziger im Dekor und abgedrehter in der Story als dieses Rauschgift-Filmtrio. So wagt das Debüt schonungslose Blicke in dreckige Drogenhöhlen und hässliche Toiletten oder gar obszöne Comic-Filmsequenzen, die die überbordenden Sex-Fantasien von Ross illustrieren.

    Allerdings lässt Akerlund lässt dem Publikum wenig Gelegenheit, Sympathien mit den Protagonisten zu entwickeln, die als menschliche Wracks nur eines im Kopf haben: Wie komme ich an den nächsten Kick? So rauschen die Freak-Figuren leider ähnlich folgenlos vorbei wie die lose verbundenen Episoden. Auch wenn das Elend des Drogenlebens durchaus sichtbar wird, greift der schwedische Filmemacher auf der unausgegorenen Suche nach dem extravaganten Inszenierungs-Kick leider öfters zu einer pseudo-chicen Stilisierung der Junkie-Existenz.

    Mickey Rourke erinnert an Marlon Brando

    Eine beachtliche Riege von Hollywood-Jungstars von Jason Schwartzman über Brittany Murphy bis Mena Suvari liefert solide Leistungen. Doch sie alle werden überragt von Mickey Rourke, der als Drogenkoch mit weißen Cowboy-Stiefeln ein glänzendes Comeback feiert und mit einer frappierenden Leinwandpräsenz an Marlon Brando erinnert.

    Reinhard Kleber, ddp

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