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  • Kritik: Düstere AntiUtopie

    Es ist das Jahr 2027, und der jüngste Mensch auf der Welt wird getötet. Alle kannten ihn als Baby Diego, obwohl der schon 18 war - denn er war das letzte Kind, das geboren wurde, bevor alle Frauen auf der Erde auf rätselhafte Weise unfruchtbar wurden.

    Willkommen in der düsteren Zukunftsvision des Films «The Children of Men»: Die Menschheit stirbt aus, die Weltordnung ist zusammengebrochen, die westliche Demokratie zur Diktatur mutiert. Der Mexikaner Alfonso Cuarón, der im dritten Harry-Potter-Film das Böse in die bis dahin noch recht heile Märchenwelt des Helden einfallen ließ, machte mit einem knappen Budget einen ebenso spannenden wie beängstigend realistischen Film.

    Am Tag, an dem Baby Diego stirbt, beginnt auch die Geschichte. Theo, ein labiler, heruntergekommener Angestellter, gespielt von Clive Owen, holt sich einen Kaffee, während im Fernsehen über nichts anderes als den Tod Baby Diegos berichtet wird. Kaum ist er wieder auf der Straße, fliegt der Kaffeeladen in die Luft. Mit Theo hat es nichts zu tun - das ist 2027 einfach die tägliche Realität. London geht im Dreck unter, Müllsäcke stapeln sich an jeder Ecke, die Häuser zerfallen unter Schichten von Graffiti, in der Luft hängen Auspuff- Wolken von Moto-Rikschas.

    Der Rest der Welt ist ganz im Chaos versunken, Großbritannien kämpft noch - aber um welchen Preis. Jeden Tag werden Busladungen «illegaler Flüchtlinge» abtransportiert. An Bahnhöfen werden sie in Käfige gequetscht und landen schließlich in Sammellagern - Guantanamo und Abu Ghoreib gleich vor der Haustür.

    Theo hält sich aus all dem heraus - bis er eines Tages von maskierten Männern in einen Lieferwagen gesteckt und in eine der vielen Ruinen gebracht wird, um eine Frau zu treffen, die er fast 20 Jahre nicht gesehen hat. Sie (Julianne Moore) heißt Julian, ist inzwischen eine Rebellenführerin geworden und braucht seine Hilfe: Für eine junge Frau soll er einen Passierschein besorgen, es sei eine geheime Aufgabe von höchster Wichtigkeit.

    Mit der Zeit erfährt man, was das besondere an Theos Mission ist, worin das große Geheimnis der jungen Frau liegt, die er begleiten soll, was Theo und Julian einst verband, wer dieser von Michael Caine wieder einmal mit entwaffnendem Charme gespielte Jasper ist - und noch viele andere Sachen, die man am besten gar nicht erst wissen sollte, wenn man das Kino betritt, damit man den Film einfach auf sich zustürmen lassen kann.

    An einem Punkt scheitert Cuarón - kann wahrscheinlich aber nicht einmal etwas dafür: Es ist erst sehr spät im Film, als eine Begleiterin von Theo mit Blick auf eine rostige Schaukel etwas vom verstummten Lärm der Spielplätze sagt. Und da wird einem auf einen Schlag erst richtig bewusst, wie schlimm eine Welt ohne Kinder sein müsste. Man hat im Film tatsächlich die ganze Zeit keine Kinder gesehen - aber da sie in Action-Filmen meist eh nicht vorkommen, ist es einem auch vorher nivht aufgefallen.

    Eine bissige Pointe wird unterdessen für Zuschauer der deutschen Version untergehen. In der englischen Fassung wird nämlich auch Deutsch gesprochen. Es ist eine Szene mit zwei kleinen Omas, die als Flüchtlinge abtransportiert werden; sie sind so alt und zerbrechlich, dass sie auch das Nazireich noch erlebt haben könnten, und eine beschwert sich auch hinter Gittern, dass sie «neben diesem Schwarzen» stehen muss.

    Andrej Sokolow, dpa

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