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  • Kritik: Düster und realistisch wie kein «Batman» zuvor

    Erfolgreiche Stoffe bis zum letzten Tropfen auszusaugen ist ein alter Trick in Hollywood. «Batman Begins» ist der fünfte große Film über den Superhelden im Fledermauskostüm seit 1989. Doch dieses Mal wurde kein überzeichnetes, schrilles Comic-Abenteuer daraus, sondern eine düstere Parabel über Angst und Selbstjustiz, die der britische Regisseur Christopher Nolan («Memento») in einem sehr ambitionierten realistischen Look erzählt.

    Passend zur neuen kreativen Vision hat Nolan auch für die Titelrolle einen frischen Mann gefunden: Christian Bale ist bisher kaum als Action-Star oder Heldendarsteller in Erscheinung getreten. Eher gilt der 31-Jährige («American Psycho», 2000) als Experte für schwierige Typen, denen er immer mit starker körperlicher Präsenz zu einem großen Auftritt verhilft.

    Als Nachfolger von Michael Keaton, Val Kilmer und George Clooney unter der schwarzen Maske ist Bale ein traumatisierter Mann, der durch leidvolle Erfahrungen zum Kämpfer ohne Kompromisse wird. Bale gefällt sich nicht in den teils lächerlichen Posen seiner Vorgänger, sondern wird im Flügelumhang zum furchtlosen Tier, das kauert, lauert und sich blitzschnell in alle Himmelsrichtungen bewegt. Eine stattliche Riege männlicher Co-Stars wie Michael Caine als loyaler Diener und Freund, Morgan Freeman als Technik-Freak und Liam Neeson als undurchsichtiger Ausbilder unterstützt den Regiestil, der statt platter Comic-Szenen mehr auf intensive Dramatik setzt.

    «Batman Begins» ist kein «Sequel», keine Fortsetzung der Reihe, sondern ein so genanntes «Prequel», eine Art Vorfolge: Sie beantwortet die Frage, wie der reiche Erbe Bruce Wayne zu Batman wird, der dann mit viel Mut und Hightech das Böse in seiner Stadt Gotham City bekämpft. Dieser erzählerische Trick hat auch schon bei den jüngsten drei «Star Wars»-Episoden funktioniert.

    Die Eltern von Bruce sind reiche Wohltäter, herzensgute Menschen, die keiner Fliege etwas zu Leide tun und genau deshalb von einem Straßenräuber umgebracht werden. Der junge Bruce muss dem Verbrechen tatenlos zusehen und wird fortan an von Schuldgefühlen gequält. Er überlässt den elterlichen Konzern seinen Managern und reist in die übelsten Ecken der Welt. Seine Studienreise ins Reich der Bösen soll ihm verstehen helfen, wie Finsterlinge denken.

    In Asien wird Bruce von einer Ninja-Untergrundorganisation ausgebildet, die Gerechtigkeit herstellen will, indem sie all die verrotteten Städte der Welt zerstört. Doch Bruce nimmt keine fremden Aufträge entgegen: Ihm geht es nur um die Säuberung «seiner» Stadt Gotham City, die von Korruption und Wahnsinn beherrscht wird.

    Der Film lässt sich viel Zeit mit der Entwicklung von Bruce Wayne vom ängstlichen Kind, das von einer Fledermaus-Phobie geplagt wird, bis zum bedrohlichen Rächer. Seine Reise in die Dunkelheit wirkt anfangs wie eine spirituelle Mischung aus «Sieben Jahre in Tibet» und «Der letzte Samurai». Doch dann setzt der 34 Jahre alte Brite Nolan auch mit Action Akzente. Bei den oft asiatisch inspirierten Kämpfen bleibt er dicht am Mann, verzichtet aber auf extreme Gewalt.

    Ausstattung und Effekte flankieren das überzeugende Konzept des ehemaligen Low-Budget-Regisseurs, «Batman» mit mehr Realismus neuen Atem einzuhauchen. Verhältnismäßig wenige digitale Special effects flimmern auf der Leinwand, dafür ist das «Batmobil» ein Wahnsinnsgefährt aus Panzer und Formel-1-Renner, das in einer der besten Szenen ausgiebig zeigt, was in ihm steckt.

    dpa

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