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  • Kritik: Drei Sträflinge auf der Flucht durch den Süden der USA

    Wenn Ethan und Joel Coen ins Kino bitten, ist die etwas andere Variante von Hollywood zu bestaunen. Das ist auch wieder der Fall in dem neuen, am 19. Oktober anlaufenden Film der Gebrüder mit dem Titel "O Brother, Where Art Thou".

    Erzählt wird eine uralte Geschichte, nämlich die des antiken Helden Odysseus. Hier allerdings in verfremdeter Form vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Depressionszeit der 30er Jahre im tiefen amerikanischen Süden. Der moderne Odysseus heißt nun Everett Ulysses McGill, trägt ein schickes Bleistiftbärtchen und ist stets auf der Suche nach seiner bevorzugten Haarpomade.

    Begleitet wird er von seinen beiden Kumpels Delmar, der geistig beschränkt ist, und dem hitzköpfigen Pete. Alle drei sind entsprungene Häftlinge, die in gestreifter Knastkluft der sie verfolgenden Staatsmacht zu entkommen suchen. Dabei sind sie recht erfolgreich, geraten aber in jede Menge brenzliger Situationen und schräger Abenteuer. So ganz nebenbei werden sie auch noch mit einem Liedchen Plattenstars und spielen in einer politischen Affäre ganz gegen ihren Willen, doch nicht zu ihrem Nachteil eine Hauptrolle, die dem rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan die Show verdirbt.

    Auf der Irrfahrt der Ausbrecher durch den US-Staat Mississippi begegnen den dreien ausgesprochen denkwürdige Typen: Der verräterische Vetter, der blinde Chef einer Radiostation, der völlig abgedrehte Bankräuber Babyface Nelson, drei verführerische Waldsirenen, ein raffinierter Bibelverkäufer mit Augenklappe, dazu ein korrupter Gouverneur samt heuchlerischem Gegenspieler und auch McGills entnervte Exgattin Penny, die endlich einen Mann heiraten will, der ihr nicht nur Kummer und Verdruss bereitet. Es fehlt also weder an Personal noch Handlung in diesem 107-minütigen Film, der eine ganze Reihe hervorragender und auch bekannter Darsteller aufweisen kann.

    Das wendungsreiche Drehbuch und die Stilsicherheit des Films, dessen gesamtes Bildmaterial digital bearbeitet wurde, zeigen erneut die besondere Klasse der Coen-Brüder. Seit ihrem ersten gemeinsamen Kinofilm, den ungewöhnlichen Thriller "Blood Simple" von 1985, haben die Amerikaner immer wieder Arbeiten geliefert, die sich deutlich von der normalen Hollywood-Produktion abheben. Das hat in einigen Fällen zu krampfhafter Originalitätssucht geführt, aber auch Meisterwerke wie "Barton Fink" und "Fargo" auf die Leinwände gebracht. Der neue Film ist weder misslungen noch richtig überzeugend. Man schaut den Abenteuern des Sträfling-Duos ganz gerne und auch recht amüsiert zu.

    Aber warum diese Geschichte mit dem Untertitel "Eine Mississippi-Odyssee" einen nun sonderlich interessieren sollte, wird nicht klar. Offenbar war ein entscheidendes Motiv für die Produktion die Möglichkeit, den schönen George Clooney auch mal in einer komischen Rolle präsentieren zu können. Denn der viel umschwärmte Clooney war begeistert: "Die Aussicht, mit diesen Jungs zu drehen, war einfach ein großer Kick. Sie schickten mir das Drehbuch, und noch bevor ich die erste Seite gelesen hatte, habe ich zugesagt." Mal sehen, ob sich die Zuschauer ähnlich für diesen originellen, aber nicht wirklich bewegenden Film begeistern werden.

    Wolfgang Hübner, AP

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