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  • Kritik: Drei Männer um eine Frau

    Manchmal überkommt in Hollywood jemanden die tiefe Sehnsucht nach dem Genre, das einst das Markenzeichen der kalifornischen Filmfabriken war. Dann entsteht nämlich wieder ein Spätwestern wie "Hi-Lo Country", der am 15. April in die deutschen Kinos kommen wird.

    Der britische Regisseur erzählt darin von der Freundschaft der Cowboys auf ihren Pferden, dem harten Leben mit den staubenden Rinderherden und von dem leidenschaftlichen Drama um eine schöne Frau im Land der rauhen Männer. Frears, der stets etwas Neues wagt, präsentiert einen Film, der in jeder Weise aus der Zeit fällt und gerade darin seinen Reiz hat.

    Denn die Handlung von "Hi-Lo Country" spielt nicht in den wilden Pioniertagen des 19. Jahrhunderts, sondern in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Von Indianern ist also nichts zu sehen, und auch rauchende Colts werden nicht geboten. Schon bevor sie für Amerika auf die Schlachtfelder zogen, waren der eher sensible Rancher Pete Calder und Big Boy Matson, ein vor Vitalität strotzender Draufgänger, Freunde geworden. Beide fühlen sich zutiefst der ländlichen Heimat im Mittleren Westen verbunden. Dort liegt das Städtchen Hi-Lo, dort lebt auch die verführerische Mona, die Pete heimlich, Big Boy aber offen begehrt.

    Doch in den Kriegsjahren hat die sich ihrer Attraktivität allzu sehr bewußte Frau den farblosen Vorarbeiter Les Birk zum Mann genommen, ist jedoch weiterhin keinem erotischen Abenteuer abgeneigt. Pete bekommt Gelegenheit dazu, schreckt indessen zurück. Big Boy hingegen genießt das Verhältnis mit der Ehebrecherin, zumal er damit ihren hilflosen Mann demütigen kann. Les Birk steht nämlich in den Diensten des Großgrundbesitzers Jim Ed Love, der zu den Kriegsgewinnlern zählt und den Viehmarkt in Hi-Lo weitgehend beherrscht. Damit ist er der große Feind sowohl für Pete und Big Boy, die beide noch dem Traum vom freien Cowboy im weiten freien Land anhängen.

    Was wohl schon immer eher eine Legende war, ist Ende der vierziger Jahre die schiere Illusion von rauhbeinigen Romantikern. Der drahtige, gutaussehende Billy Crudrup spielt als Pete den einen, das kantige Kraftpaket Woody Harrelson ist die Idealbesetzung für die zum Scheitern verurteilten Helden Big Boy. Und die aus einer großen Schauspielersippe stammende Patricia Arquette, Ehefrau von Oscar-Preisträger Nicholas Cage, kann ihre beträchtlichen Reize für die Figur der Mona einsetzen. Auch die Nebenrollen sind überzeugend besetzt, die Musik stimmt wohlklingend ein auf Landschaft und Gefühle. Es wird also Leute geben, die diesen Film sehr mögen werden.

    Aber es wird noch viel mehr geben, die wenig anfangen können mit diesem melancholischen Abgesang eines europäischen Regisseurs auf die Faszination des Westerns. Denn "Hi-Lo Country" liegt auf seltsame Weise im filmischen Niemandsland: Die Probleme und die Menschen, die gezeigt werden, wirken sehr fern und rühren nicht an. Frears' Meisterwerk "Gefährliche Liebschaften" spielte zeitlich viel weiter entfernt im höfischen Frankreich des 18. Jahrhunderts und war doch ein mit seiner raffinierten Psychologie die Zuschauer packendes Drama. Hingegen ist "Hi-Lo Country" nur ein Zeugnis davon, daß Frears offenbar in jedem Kinogenre seine ganz spezielle Spur hinterlassen will.

    Wolfgang Hübner, AP

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