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  • Kritik: Drei lieben die Liebe

    Hamburg (dpa). Eine Frau hat keinen Mann, und dann hat sie plötzlich zwei: Verzwickt, beschwingt und redselig - durch und durch französisch also - wird das altbekannte Spielchen der Menage a trois in Marion Vernoux' "Love etc." neu aufgelegt. Basierend auf dem Roman "Darüber reden" von Julian Barnes hat die junge französische Regisseurin mit leichter Hand eine Pariser Liebesgeschichte skizziert, die sich ganz unaufdringlich ins Herz des Betrachters schleicht. Am Donnerstag (29.5.) kommen Charlotte Gainsbourgh, Charles Berling und Yvan Attal als "Duett zu dritt" in die deutschen Kinos.

    Der Vergleich zu Francois Truffauts unvergeßlicher Story "Jules und Jim" liegt nahe. Doch auch Vernoux erzählt mit eigenem Profil, das gerade im Weglassen, im Beobachten, im Zeitlassen besteht. Dazu habe sie die Buchvorlage prompt fasziniert, sagt sie: "Die 'Liebe' vom Standpunkt des Mannes aus betrachtet - es war Zeit für mich, einen genaueren Blick zu wagen: Warum verweigert sich Person A eigensinnig Person B, um Person C zu bekommen? Und was hat Person C, was ich nicht habe? Warum finden wir uns selber in Situationen, wie wir arme, kleine Brotstückchen zu winzigen, grauen Bällchen drehen?"

    Drei Personen, drei Blickwinkel: Marie (Gainsbourgh), eine stille Bildrestauratorin, verliebt sich in den schüchternen Benoit (Attal) und heiratet ihn. Benoits bester Freund Pierre (Berling) hingegen, ein großspuriger Frauenheld, entflammt ebenfalls für die geheimnisvoll zurückhaltende Frau seines Freundes. Das Schicksal im zeitlos-anonymen Flair von Paris nimmt seinen Lauf - denn Marie liebt alle beide, aber kann sich nicht entscheiden. Benoit liebt Marie, aber leidet an der ständigen Unsicherheit, und Pierre liebt Marie, aber kann keine Kompromisse eingehen.

    Aus dem "Frechen Mädchen" (1985) Charlotte Gainsbourgh ist in "Love etc." eine Frau von faszinierender Natürlichkeit geworden - ungeschminkt, mit zerrupftem Haarschopf schlafwandelt sie sozusagen durch die Handlung, die doch so starke Entscheidungen von ihr fordert. Wäre sie auch nur ein bißchen koketter oder berechnender, könnte sie kaum so viel Sympathien auf sich vereinen,

    wie sie ihr in diesem Fall nicht nur von ihren "Film-Männern" entgegenschlagen dürften. Charles Berling, der jüngst im Historienepos "Ridicule" zu sehen war und auch an der Seite von Heike Makatsch in Peter Sehrs "Obsession" vor der Kamera stand, spielt den enthusiastischen Pierre mit ebensoviel Kraft wie Sensibilität.

    Einen seltsam-verwobenen Sommer lang lebt das Trio zu dritt, aber die Herbststürme nahen unaufhaltsam - auf allen Ebenen: Das fragile Gleichgewicht kommt aus dem Lot, als Marie sich nach langem Zaudern doch endlich Pierre zuwendet. Bei einem finalen Abendessen kommt es zum großen Ausbruch der Gefühle. Was danach kommt, muß zwangsläufig abfallen. Und so wirkt auch der Schluß des Films - ein Zeitsprung führt das Trio fünf Jahre später zur Silvesternacht 2000 in alter Liebe und neuer Konstellation erneut zusammen - nicht ganz befriedigend und zu sentimental. All das, was zuvor passierte, macht "Love etc." aber dennoch zum reizvollen Kinoerlebnis. Und nicht immer fällt das Happy-End schließlich so zwiespältig aus: Im wirklichen Leben zumindest sind Gainsbourgh und Attal seit längerem ein Paar.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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