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  • Kritik: Drei alte Frauen überfallen eine Bank

    Sie zählen insgesamt 250 Lenze, die drei Heldinnen der am 14. Dezember anlaufenden Tragikomödie "Jetzt oder nie - Zeit ist Geld". Dabei macht auch dieser Film seine Darstellerinnen jünger - von durchschnittlich Mitte 80 auf Mitte 70. Kein Wunder, dass Carla, Lilli und Meta arg wacklig daherkommen. Dafür sind sie umso unternehmungslustiger: Weil das Ende greifbar nah ist, müssen sie jetzt oder nie ihren Traum wahrmachen.

    Doch just in dem Moment, als sie die Jahre lang angesparten Groschen für eine Kreuzfahrt einzahlen wollen, wird die Bank überfallen. Wegen einer Formalie weigert sich der Bankdirektor, ihnen das geraubte Geld zu ersetzen. Die drei beschließen, sich ihre 7.000 Mark ebenfalls durch einen Bankraub zurückzuholen.

    Die Entscheidung, mit drei steinalten Hauptdarstellerinnen zu drehen, ist überaus mutig. Nicht nur auf Grund der biologischen Risiken - die alten Damen mussten vorsichtshalber mit dem Rollstuhl an den Set bracht werden. Auch gelten ungeliftete weibliche Gesichter, anders beispielsweise bei Clint Eastwood und Walter Matthau, als Kassengift.

    Und doch haben die Schonungslosigkeit der Nahaufnahmen, die gebrechlichen Bewegungen und die brüchigen Stimmen ihren eigenen Reiz, dessen sich der junge Regisseur Lars Büchel in seinem ersten von Til Schweiger produzierten Kinofilm sehr bewusst ist.

    Zusätzlich lässt er das Trio in einer surreal angehauchten, zeitlosen Atmosphäre agieren. Da gibt es noch den Krämerladen aus den 50er Jahren und einen düster prächtigen Banktempel - alle Anzeichen einer hellen, computerisierten Moderne wurden sorgfältig vermieden. Mal werden die alten Gesichter mit schrägen, schnellen Kamerafahrten inszeniert, mal ist alles unscharf. Dann übernimmt die Kamera die Perspektive eines kurzsichtigen Greises, des Verehrers von Meta.

    Zwar sind die Charaktere an die erfolgreiche TV-Serie "Golden Girls" angelehnt - Lilli ist flirtlustig, Carla vernünftig und Meta zimperlich -, ohne jedoch die Aufgedrehtheit dieser amerikanischen Seniorinnen zu kopieren. Die grauen Panther in "Jetzt oder nie" sind ängstlich und zugleich abgebrüht, und ihr illusionsloser Grimm hilft ihnen, sich selbst zu überwinden und eine wortwörtliche Schnapsidee in die Tat umzusetzen.

    Schließlich sind sie bereits jenseits von gut und böse: Lakonischer Humor und schwarzer Aberwitz begleiten ihre Proben für den Bankraub, wobei Til Schweiger in einer Minirolle zu sehen ist. Beiläufig wird auch das Verhalten von Jüngeren, die alte Menschen wie unmündige Wickelkinder behandeln, satirisch aufgespießt.

    Warum ihnen aber doch kein Happy End gegönnt wird, warum eine pseudo-poetische Todesbeschwörung alles so weinerlich verwässert, bleibt das Geheimnis auch dieses deutschen Films. "Jetzt oder nie" hält nicht, was seine groteske Inszenierung verspricht. Exzentrik wird hier zu Lande immer noch abgestraft, und sei es durch zu viel Gutgemeintes.

    Birgit Roschy, AP

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