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  • Kritik: Dramatische Mediensatire mit Oscar-Chancen

    Gefangen im Paradies war schon Robinson Crusoe. Truman Burbank ist jedoch die erste Figur, die ahnungslos in einer Traumwelt aus Pappe festgehalten wird. Die ganze Welt guckt ihm seit seiner Geburt zu. Er ist rund um die Uhr, weltweit, lebenslang auf Sendung - ohne es zu wissen! Regisseur Peter Weir landete mit seiner Mediensatire "Die Truman Show" in den USA schon einen Sensationserfolg.

    Der Film mit dem Komiker Jim Carrey in seiner ersten großen, ernsten Rolle läuft an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos an und gilt schon jetzt als Oscar-Anwärter.

    Der Australier Peter Weir hat bis dato 14 Filme gedreht. Mehr als die Hälfte davon, darunter "Green Card", "Der Club der toten Dichter", "Der einzige Zeuge" und "Mosquito Coast" wurden Kassenschlager. Bei keinem seiner Werke waren sich Publikum und Kritiker allerdings so einig: "Die Truman Show" zählt zu den wichtigsten Filmen dieses Jahres.

    Der 54jährige Regisseur führt den Komiker Carrey ("Die Maske") gekonnt auf die dramatische Seite. Ähnliches gelang ihm schon mit Robin Williams in dem vierfach für den Oscar nominierten "Club der toten Dichter". Für den brillant aufspielenden Carrey könnte die Rolle zum Meilenstein werden. "Es ist spannend, mit jemandem zu arbeiten, der auf einem speziellen Gebiet so viel Erfolg hat. Jim Carrey wollte alles riskieren", erzählte Weir. "Ich liebe diese Art von Draufgängertum."

    Truman Burbank (Carrey) lebt sorglos im blitzblanken Städtchen Seahaven. Jeden Tag strahlt die Sonne hell, das Gras leuchtet im satten Grün, alle sind glücklich und unbeschwert. Doch die Idylle trügt. Seahaven ist ein verlogenes Paradies. Das Örtchen dient als gigantische Kulisse der "Truman Show", in der der Hauptdarsteller als einziger "true man", als einzige echte Person agiert. 5.000 versteckte Kameras beobachten Truman, der nicht ahnt, daß alle - seine Frau, seine Mutter, sein bester Freund - bezahlte Schauspieler sind.

    Scheinwerfer In seinem 30. Lebensjahr knallt Truman ein Scheinwerfer vor die Füße - von da an befallen ihn Zweifel und eine schleichende Paranoia. Er entdeckt immer mehr Fehler im System. Als Truman beschließt, Seahaven zu verlassen, entfaltet sich die ganze Tragik seines Daseins. Sein Leben wird inszeniert vom Schöpfer der Show: Regisseur Christof (Ed Harris) kontrolliert aus einer Kommandozentrale im künstlichen Himmel die Ereignisse und das Wetter in Seahaven. Er jongliert er mit Drama- und Komödien-Elementen, inszeniert Grauen und Witz einer Scheinwelt. "Natürlich haben der Regisseur Christof und der Regisseur Peter Weir einiges gemeinsam", schmunzelt Weir. "Beim Drehen interessierte ich mich immer mehr für diese Figur. Ich dachte sogar daran, die Rolle des Christof selbst zu spielen."

    "Die Truman Show" trifft im Deckmantel der Komödie einen empfindlichen Nerv. Sie spricht die dunkelsten Seiten der Mediengesellschaft an: totale Überwachung, Paranoia, Manipulation und die Sucht der Zuschauer, die lieber anderen beim Leben zusehen, als ihr Schicksal selbst aktiv zu gestalten. Geschickt und auf leichte Art zwingt Peter Weir die Kinozuschauer zur Selbstreflexikon. Sie sind schließlich auch Teil des "Truman Show"-Publikums.

    Truman muß bis ans Ende der für ihn präparierten Welt segeln, um die wahre Welt dahinter zu entdecken. Auch Peter Weir hat nach langer Reise seine Heimat gefunden. Er lebt in Sidney, dreht in Hollywood Filme, ist vom europäischen Kino beeinflußt und war eine zeitlang in Schottland und Irland. Sein Zuhause liegt jedoch anderswo: "Egal in welchem Ort der Erde ich bin, sobald ich auf dem Set stehe, vergesse ich alles um mich herum. Dann bin ich in meiner eigenen Welt."

    Amelie Stephan, dpa

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