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  • Kritik: Drama des frustrierten Friseurs

    Sogwirkung, der sich der Betrachter kaum entziehen kann

    Aber jede ihrer bislang neun gemeinsamen Arbeiten ist auch ein Tribut an den Mythos Hollywood und die Kinogeschichte. Letztere ist der Steinbruch, aus dem sich die Coens ihr Material holen, um immer wieder etwas zu modellieren, was ganz anders, wenngleich wohl bekannt ist.

    Ihre neueste Produktion "The Man who wasn't there", ab dem 8. November zu sehen, ist ein Paradebeispiel dafür. In faszinierend ausgeleuchteten Schwarz-weiß-Bildern wird eine der glanzvollsten Epochen Hollywoods, die "Schwarze Serie" von düsteren Filmen um Leidenschaft und Verbrechen aus der Zeit um 1945, wieder zum Leben erweckt. Gezeigt wird die aberwitzige Tragikomödie eines frustrierten Kleinstadtfriseurs, der alles andere als ein abgefeimter Verbrecher ist und doch dessen Schicksal nimmt. Denn der schweigsame Ed Crane will raus aus seinem Elend als betrogener Ehemann und schlechtbezahlter Figaro.

    Doch was sich der Kettenraucher zu diesem Zweck ausgedacht hat, klappt hinten und vorne nicht im Amerika des Jahres 1949. Crane versucht den Geliebten seiner unzufriedenen Frau Doris zu erpressen, gerät mit diesem in ein Handgemenge und steht plötzlich vor einer Leiche. Nicht er jedoch, sondern Doris muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten. Das geschieht nicht grundlos, aber Crane kennt ja den wahren Schuldigen und verpflichtet für die Verteidigung seiner Ehefrau den Staranwalt Freddy Riedenschneider.

    Von dem selbstgefälligen Advokaten stammt der Satz, der gut das Motto des ganzen Films sein könnte: "Je mehr Du siehst, desto weniger weißt Du". Wir sehen eine ganze Menge: Kleinstadtödnis, eine kaputte Ehe, zwei gewaltsam zu Tode gekommene Männer, eine klavierspielende Lolita und sogar noch den Elektrischen Stuhl. Auf seine tödliche Funktion strebt die überaus lakonisch erzählte Handlung unabwendbar zu. Und doch bleibt das ganze Geschehen irritierend in seiner vertrackten Konstruktion: Wie nur kann ein biederer Friseur in solch eine Abfolge von Verhängnissen rutschen?

    Wenn alles auch reichlich unglaubwürdig ist, die Distanz zu sämtlichen handelnden Figuren immer bleibt, der nostalgische Hintergrund das Geschehen seltsam unwirklich erscheinen lässt: Der Film der Coens hat eine Sogwirkung, der sich der Betrachter kaum entziehen kann und auch nicht entziehen sollte. Billy Bob Thornton spielt mit glaubhafter Verzweiflung den Friseur Ed Crane, Frances McDormand nicht minder überzeugend seine lebensgierige Frau. Und Tomy Shalhoub macht aus seinem Part als Freddy Riedenschneider ein Kabinettstückchen der Sonderklasse. Kein Film für alle, aber ein Leckerbissen für jeden, der das Besondere sucht.

    Wolfgang Hübner, AP

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