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  • Kritik: Dr. Lecter, die Dritte

    In seiner rauen Natursteinzelle im Psycho-Knast scheint er sich mittlerweile genauso wohl zu fühlen wie hinter der Biss-Schutzmaske: Anthony Hopkins spielt die Rolle des Kannibalen Dr. Hannibal Lecter in "Roter Drache" nun zum dritten Mal.

    Doch nur selten blitzt noch etwas auf von der diabolischen Verführungskraft des Kult-Killers aus "Das Schweigen der Lämmer", der Hopkins vor elf Jahren den Oscar bescherte. Wie gut, dass der letzte Teil der Hannibal-Trilogie noch einen anderen Täter zu bieten hat. Einen, der Dr. Lecter in Sachen Gefahr und seelischer Kompliziertheit durchaus das Wasser reichen kann und den Nerven des Thriller-Publikums den letzten Kick gibt.

    "Keine große Herausforderung" für Hopkins

    Ralph Fiennes verkörpert den Familien-Serienmörder Francis Dolarhyde. Der in seiner Kindheit gequälte Mann mit Hasenscharte leidet an der wahnhaften Vorstellung, er könne sich durch bizarre Morde zum allmächtigen "Roten Drachen" transformieren. Um ihn vor seiner nächsten Tat zu schnappen, holt das FBI den Ermittler Will Graham (Edward Norton) aus dem frühen Ruhestand. Graham hat einst Dr. Lecter seines menschenfresserischen Tuns überführt und dafür mit schwersten Verletzungen bezahlt. Um den "Roten Drachen" zu finden, braucht Graham aber die Hinweise eben jener kultivierten Bestie, die seit Jahren hinter Gittern sitzt.

    Für Hopkins war der dritte Auftritt als Dr. Lecter "keine große Herausforderung". "Die einzige wirkliche Aufgabe war, 10 Jahre jünger auszusehen. Da musste ich viel trainieren, um einigermaßen in Form zu kommen", sagte der 64-Jährige im Interview gelassen. Denn das Buch "Roter Drache" schrieb der amerikanische Bestsellerautor Thomas Harris lange vor dem "Schweigen der Lämmer" und "Hannibal". Dr. Lecter tritt hier nur in einer Nebenrolle auf. Durch einen clever gemachten Prolog wird jedoch alles, was das Publikum schon über ihn weiß, in die Story eingebunden.

    Sinn für die Psychologie des Wahns

    "Roter Drache" ist schon einmal 1985 unter dem Titel "Blutmond" verfilmt worden. Doch Produzent Dino De Laurentiis ließ es sich nicht nehmen, die Hopkins-Trilogie komplett zu machen. Der Film unter der Regie von Brett Ratner ("Rush Hour") setzt sich mit einem realistischen Look deutlich von Jonathan Demmes beinahe surrealem Meisterwerk "Das Schweigen der Lämmer" und Ridley Scotts opernhafter Gewaltorgie "Hannibal" ab.

    "Es sollte zeitlos aussehen", erzählt der frühere Video-Clip- Regisseur Ratner (32), dessen Augen während des Interviews immer wieder zum stumm laufenden Viva-Programm im Hotelfernseher schwenken. "Die beiden anderen Filme haben mir sehr bei meinen Entscheidungen geholfen." Ratner zeigt außer einem guten Gespür für Timing und Nervenkitzel auch Sinn für die Psychologie des Wahns. Er gönnt seinem Hauptdarsteller Fiennes sogar eine anrührende Liebesgeschichte mit einer blinden Kollegin (Emily Watson).

    "Ich zeige lieber wenig Blut"

    Mit dem Blutrausch des Psychopathen geht Ratner erstaunlich verantwortungsbewusst um. "Ich zeige lieber wenig Blut. Ich versuche, mit all dieser Gewalt verantwortungsvoll umzugehen", betont der Hollywood-Shootingstar, dem jetzt die Regie für das große "Superman"- Projekt übertragen wurde. Denn sein schlimmster Albtraum sei, dass irgendwann ein verrückter Serienkiller vor Gericht aussage, durch seinen Film inspiriert worden zu sein.

    Karin Zintz, dpa

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