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  • Kritik: Doris Dörries Trauriger Schicksalsreigen

    "Bin ich schön?" heißt Doris Dörries neuer Film. Aber der Titel täuscht: In dem tragikomischen Beziehungsreigen geht es nicht um kleine Eitelkeiten, sondern um die ganz großen Gefühle - Liebe und Schmerz, Trauer und Einsamkeit.

    Die deutsche Erfolgsregisseurin ("Männer", "Ich und er") hat daraus eine elegische, anrührende Geschichte gemacht. Der hochkarätig besetzte Streifen - Abschlußfilm auf der Biennale in Venedig - kommt jetzt am Donnerstag in die deutschen Kinos.

    Eigentlich hatte Dörrie die Verfilmung ihres preisgekrönten Erzählbandes "Bin ich schön?" schon ad acta gelegt: Im Frühjahr 1996 war ihr Mann und Kameramann Helge Weindler unmittelbar vor Beginn der Dreharbeiten an Leberkrebs gestorben. "Ich konnte mir nicht vorstellen, jemals wieder an das Projekt heranzugehen", erzählt die 43jährige Münchnerin. Aber Produzent Bernd Eichinger ließ nicht locker: "Er hat mich geschubst und gleichzeitig an die Hand genommen."

    Eineinhalb Jahre später trommelte die Filmemacherin ihre Crew wieder zusammen: Gottfried John, Senta Berger, Heike Makatsch, (Foto: alle drei, von rechts) Iris Berben, Uwe Ochsenknecht, Joachim Krol, Franka Potente ("Lola rennt") und viele andere. "Alle waren sofort bereit, wieder mitzumachen und haben sich freigebaggert. Das war wirklich ein schönes Gefühl für mich", sagt Dörrie. Dennoch war die mit fast zehn Millionen Mark aufwendige Produktion besonders eine emotionale Herausforderung - "wie ohne Sauerstoff auf dem Mount Everest".

    Mit einer ungewöhnlichen Erzähltechnik und in wunderschönen Bildern verwebt der Film die Einzelschicksale seiner Figuren zu einem dichten Puzzle: Menschen, die sich begegnen, wieder aus dem Auge verlieren - und vor allem eines gemeinsam haben: eine tiefe Sehnsucht nach Glück. Zu den besten Momenten gehört die Szene, in der Maria Schrader einem wildfremden Mädchen auf der Damentoilette vom Tod ihres Freundes erzählt: Seither ruft sie manchmal sich selbst an, um seine Stimme wenigstens noch auf dem Anrufbeantworter zu hören.

    Trotz aller traurigen Töne behält Dörrie, die "Mutter der deutschen Filmkömodie", ihr untrügliches Gespür für schrägen Witz und skurrile Situationen. "Man muß sich mit voller Wucht auf das Leben einlassen", sagt sie. "Dann bekommt man die ganz große Liebe oder den ganz großen Schmerz. Aber man hat wenigstens nichts zu bereuen."

    Am Drehbuch hat die Autorin für den zweiten Anlauf wenig geändert. Nur die spanischen Sequenzen wurden umgeschrieben, die Handlung vom südlichen Almeria nach Sevilla verlegt. In Schlüsselszenen taucht immer wieder ein alter, unendlich einsamer Mann (Dietmar Schönherr) auf, der die Urne seiner toten Frau unter dem Arm trägt. "Mir war wichtig, daß jemand vorkommt, der nach einer langen Liebesgeschichte um den verlorenen Menschen trauert", sagt Dörrie. Für Joachim Krol, einen ihrer alten Wegbegleiter, war schon nach der Vorpremiere in München klar: "Schön, daß sie den Film noch gemacht hat. Helge hätte sich das sicher gewünscht."

    Nada Weigelt, dpa

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