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  • Kritik: Donald Sutherland kämpft auf verlorenem Posten

    Ein Virus dringt in eine Körperzelle ein und programmiert deren Funktion zur eigenen Vermehrung um. In dem Horrorfilm "Virus" übernimmt eine außerirdische Macht nach demselben Prinzip eine Schaltstelle der Zivilisation.

    Eine blaue, knisternde Energiemasse umhüllt die russische Weltraumstation MIR, erzeugt dort einen Kurzschluß und tötet die gesamte Besatzung. Dann folgt sie dem Weg der Datenübertragung geradewegs zu den Parabolantennen auf dem russischen Forschungsschiff "Akademic Vladislav Volkov", das im Südpazifik stationiert ist.

    Die Besatzung ist der unsichtbaren Übermacht natürlich völlig schutzlos ausgeliefert. Plötzlich spielen die Computer verrückt und werden umprogrammiert. Unheimliche Stille breitet sich aus. Sieben Tage später gerät der Bergungsschlepper "Sea Star" in der Nähe des Forschungsschiffs in einen Taifun. Darauf befindet sich eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft: Captain Everton (Donald Sutherland), die Navigatorin Kit Foster (Jamie Lee Curtis) und Ingenieur Steve Baker (William Baldwin) sowie die weiteren Besatzungsmitglieder Richie, Maori Hiko, Woods und Squeeky.

    Die leckgeschlagene "Sea Star" retten sie, indem sie in das Auge des Taifuns fahren, wo sie die "Volkov" entdecken und daran festmachen. Als sie an Bord keine Menschenseele vorfinden, hellt sich die Miene von Captain Everton auf. Denn allem Anschein nach handelt es sich um ein "verlassenes Wrack in internationalem Gewässer", für das es einen Bergungslohn gäbe - 30 Millionen Dollar, schätzt der Kapitän.

    Sobald die Energieversorgung der "Volkov" wiederhergestellt ist, passieren unheimliche Dinge. Über den Schiffscomputer erhält die Mannschaft die Mitteilung, daß die Menschheit ein Virus sei, der ausgelöscht werden müsse. Ihre Körper seien "biologisches Material", das die fremde High-Tech-Macht zu Kreaturen aus dem Horrorkabinett - halb Mensch, halb Roboter - verarbeitet. "Es will Ersatzteile aus uns machen", muß Richie erkennen.

    Die fremdartigen Wesen können alles für den Bau ihrer Geschöpfe gebrauchen: ein Stückchen von einer Drehbank, verschraubt mit einem Teil einer Fräse und verbunden mit Drahtgeflecht. Diese Frankensteins des Computerzeitalters werden für die Menschen an Bord immer bedrohlicher. Denn sie scheinen einfach nicht umzubringen zu sein, da sie sich nach ganzen Salven von Schüssen immer wieder aufrappeln. Das hindert die Besatzungsmitglieder allerdings nicht daran, es immer und immer wieder zu versuchen. Einer nach dem anderen fällt in die Fänge der merkwürdigen Maschinerie und wird mit Roboterarmen blutig ausgeweidet. Ist die Erde für die Menschheit verloren?

    Die Zuschauer läßt dieser Horrortrip relativ kalt, auch wenn man der Besatzung - vor allem Kit und Steve, die immer mehr Zuneigung zueinander empfinden - wünscht, sie möge überleben. Denn John Bruno, der bei "Virus" erstmals Regie führte, hat sich anscheinend zu sehr auf sein eigentliches Metier konzentriert, die Spezialeffekte, dabei aber die dramaturgische Spannung vernachlässigt.

    In der Szene, in der Captain Everton versucht, mit der fremden Macht einen Deal auszuhandeln, wird es sogar unfreiwillig komisch. Das wäre nicht weiter schlimm, käme der auf einer Comicbuch-Serie basierende Thriller nicht mit dem Anspruch der Realitätsnähe daher. Die Figuren sind zu holzschnittartig angelegt, um sie als Zuschauer genauer kennenlernen zu können. Die Schauspieler können daran nicht viel ändern; sogar die Stars Sutherland und Curtis wirken wie blutleere Gestalten der Fantasy-Welt.

    Nicht nur die Wesen aus der Monsterwerkstatt, alles an "Virus" wirkt wie aus Versatzstücken des Genres montiert. John Bruno konnte dabei auf reichhaltige eigene Erfahrungen als Effekte-Spezialist bei "Poltergeist", "Ghostbusters", "E. T." oder "Abyss" zurückgreifen.

    Inge Treichel, AP

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