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  • Kritik: Dokumentation über eine Menschenrechtlerin

    Eine andere Extremform gesellschaftlicher Ausgrenzung

    Diesen Unberührbaren, die auf den Straßen oder in den Favelas von Rio unterhalb der Armutsgrenze leben, zu helfen, hat sich Yvonne Bezerra de Mello zur Lebensaufgabe gemacht. Mit ihrem Projeto Uer� (Kinder des Lichts) leistet sie aktiv Überlebenshilfe. Kreativ und kämpferisch, wo Gewalt, Schmutz und Krankheit zum Alltag gehören. Entschlossen, den Kindern eine Basis zu geben, ihr Leben zu gestalten.

    eine andere Extremform gesellschaftlicher Ausgrenzung Es geht nicht um Wohltätigkeit in dieser Dokumentation, sondern um Kampf. Yvonne Bezerra de Mello ist keine verehrte Mutter der Slums, sondern eine umstrittene Persönlichkeit. Nicht in die Upper Class geboren, aber durch Heirat eine Dame der High Society geht sie auf Konfrontationskurs: "Ich trete dafür ein, dass sie einen Teil ihrer Privilegien aufgeben müssten, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern. Deswegen gelte ich als Verräterin oder als Revolutionärin", erklärt sie.

    Doch nicht nur im konservativen Lager begegnet man dem Engagement der reichen Lady mit Misstrauen. Auf Unverständnis traf bei den Dreharbeiten auch die Filmemacherin. "Als ich Yvonne in Rio besuchte und sah, wie sie mit den Kindern im Dreck sitzt, habe ich sofort wahrgenommen, das ist echt", sagt Monika Treut. "Mein Beitrag zu diesem fantastischen Projekt ist der Film. Ich wünsche mir, dass er von Leuten gesehen wird, die sich dieses Bild selbst zusammensetzen können und verstehen, worum es geht."

    Worum es geht, erzählen die Bilder (Kamera: Elfi Miekesch). Diese lebendige und aufschlussreiche Dokumentation geht an die Substanz. Gerade weil sie Elends-Voyeurismus vermeidet und auf jeglichen Kommentar verzichtet. Da ist der Film so kriegerisch wie seine Protagonistin, die jeden Tag die Schmerzgrenze überschreitet, couragiert, unsentimental und pragmatisch. Man muss sie bei der Arbeit mit den Kindern sehen, auch die Fröhlichkeit inmitten trauriger Verwahrlosung gehört zu den vitalen Eindrücken, die dieser Film hinterlässt.

    "Der Dokumentarfilm ist ein starkes Medium: Er kann dazu beitragen, politisches Denken zu verändern und sowohl Gefühl als auch Verstand ansprechen", sagt Treut. Die "Kriegerin des Lichts" erfüllt beides. Auch diesmal lenkt die Filmerin den Blick des Zuschauers auf eine gesellschaftliche Tabuzone. Waren es bisher Einblicke in die Subkultur sexueller Ambivalenz wie zuletzt in der Transgender- Dokumentation "Gendernauts" über Frauen zwischen den Geschlechtern, so zeigt sie hier lediglich eine andere Extremform gesellschaftlicher Ausgrenzung. In der Kontroverse um die reiche Frau in den Niederungen der Armut zeigt sie ihre paradoxen Auswüchse. dp

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