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  • Kritik: Dokumentarfilm zeigt den Regisseur während der Jazztournee

    "Was Sie schon immer über Woody Allen wissen wollten" verspricht der Film "Wild Man Blues" zu enthüllen. Ungewöhnlich war schon, daß Woody Allen überhaupt New York verlassen hatte, um als Klarinettist mit der New Orleans Jazzband auf Europatournee zu gehen. Noch weniger hätte man erwartet, daß er weitgehende Einblicke in sein Privatleben gewähren würde.

    Vor allem die Beziehung Allens zu seiner Freundin Soon Yi Previn und zu seiner Schwester Letty hat die Dokumentarfilmerin Barbara Kopple interessiert.

    "25 Prozent des Films sind über seine Musik und 75 Prozent sind über ihn und seine Beziehung zu Soon Yi", erklärt Kopple. Mit der aus Korea stammenden Adoptivtochter seiner früheren Lebensgefährtin Mia Farrow ist Allen seit 1992 zusammen; Ende 1997 hat er sie geheiratet. "Wild Man Blues" zeigt sie unter anderem als Ratgeberin, die Woody Allen zum Beispiel darüber aufklärt, daß das Publikum nicht nur Musik, sondern auch Ansprache von ihm erwartet.

    Der private Woody Allen ist, wie man immer vermutet hat, von seinen Filmfiguren kaum zu unterscheiden. Der "Stadtneurotiker" gibt zu, daß er chronisch unzufrieden ist: Wenn er in Rom ist, wünscht er sich nach New York und umgekehrt. Er trägt eine Batterie von Vitamintabletten und Pillen mit sich herum, findet es widerlich, von einem Hund abgeleckt zu werden, und Sonne mag er auch nicht.

    Die dreiwöchige Tournee fand denn auch im Februar und März 1996 statt. Die Dixieland-Band spielte in San Remo, Madrid, Barcelona, Genf, Wien, Venedig, Paris, Mailand, Florenz, Bologna, Rom, Frankfurt, Turin, Neapel und London. Überall war die Kamera dabei, auf der Bühne und hinter den Kulissen, im Kreis seiner Freunde und in ruhigen Momenten im Hotel, auf Empfängen und Stadtrundgängen.

    Der berühmte Regisseur staunt immer wieder darüber, wie viele Menschen sich vor seinem Hotel versammeln, nur um ihn zu sehen. Manche seiner Filme waren in Europa erfolgreicher als in USA. Der Regisseur vermutet: "Sie müssen etwas durch die Übersetzung dazugewonnen haben; ich weiß nicht, was." "Wild Man Blues" hat es nicht auf Pointen abgesehen. Komische Situationen ergeben sich wie von selbst - etwa wenn eine Dame sich auf einem Empfang vor Begeisterung überschlägt.

    Wenn Woody Allen Klarinette spielt, legt er sich richtig ins Zeug. "Er ist kaum zu bremsen, stampft heftig mit dem Fuß den Rhythmus und wagt sogar ein paar Duette mit Eddy Davis", schrieb ein Kritiker nach seinem Konzert in der Frankfurter Alten Oper. Woody Allen ist der einzige Grund dafür, daß das New Orleans Funeral and Ragtime Orchestra die großen Säle gefüllt hat.

    Am Ende hat er eine kleine Sammlung von Tournee-Trophäen, die er seinen hochbetagten Eltern in New York mitbringt. Auch die ähneln zum Verwechseln den Elternfiguren aus Allens Spielfilmen. Die Mutter kritisiert seine Berufswahl ("Es ist schwer, im Showgeschäft seine Brötchen zu verdienen."), und statt einer Asiatin hätte sie lieber, daß er sich in ein jüdisches Mädchen verlieben würde.

    Inge Treichel , AP

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