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  • Kritik: Disneys Vorweihnachts-Film

    Manche Geschichten sind so schön, daß Filmregisseure meinen, man könne sie gar nicht oft genug erzählen. Der anrührende Klassiker vom "Doppelten Lottchen", den getrennten Zwillingen, die ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenbringen wollen, gehört ohne Zweifel dazu. Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit kommt nun die neue Disney-Spielfilm-Version des Erich-Kästner-Werks von 1949 in die Kinos. In Deutschland startet "Ein Zwilling kommt selten allein" am Donnerstag (15.10.): Eine nette harmlose Komödie, sehr amerikanisch und kitschig, aber mit amüsanten Szenen und Gags.

    Im Feriencamp entdecken Annie aus London und Hallie aus Kalifornien nach anfänglichen Feindseligkeiten ihre gemeinsame Familiengeschichte: Sie sind Zwillinge, ihre Eltern haben sich vor über einem Jahrzehnt getrennt. Schnell hecken die beiden quirligen Elfjährigen den Plan aus, ihre Rollen zu tauschen: Die "hippe" Hallie jettet im Kostümchen über den Atlantik nach London zu der wiedergefundenen Mutter, der erfolgreichen Brautmoden-Designerin Elizabeth James (Natasha Richardson). Annie reist im Freizeitlook als Hallie auf das kalifornische Weingut ihres kumpelhaften neuen/alten Vaters Nick Parker (Dennis Quaid).

    Zwar müssen die beiden Mädchen zuerst noch die zickige Nebenbuhlerin ihrer Mutter in die Flucht schlagen, die es sowieso nur auf das Geld des gutgläubigen Nick abgesehen hat. Doch wie zu erwarten, schaffen es die frechen Tausendsassas, ihre sympathischen Eltern am Ende wieder zu vereinen.

    Im Gegensatz zu Kästners literarischer Vorlage unterscheiden sich die beiden Zwillinge in der 1998er-Version kaum in ihrem Charakter. Sie sind beide an einen gehobenen Lebensstil gewöhnt und haben es faustdick hinter den Ohren. Stattdessen stehen sich - in etwas überzogener Manier - britische und amerikanische Lebensweise und Outfits gegenüber. Dabei ist die niedlich rothaarige Lindsay Lohan in einer Doppelrolle zu sehen. Um aus einer Darstellerin zwei Zwillingsschwestern zu machen, verwendeten Regisseurin Nancy Meyers, die bereits das Drehbuch für das Remake von "Vater der Braut" geschrieben hatte, und ihr Team moderne visuelle Effekte.

    Schon 1961 hatte Disney den Kästner-Stoff auf die Leinwand gebracht. Zu "The Parent Trap" ("Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt") gab es in den 80er Jahren sogar eine Fortsetzung. Jetzt mußte also eine "moderne und stilvolle Version" her, meinten die Filmemacher. Der allererste Lottchen-Film - mit Drehbuchautor Kästner - war 1950 in Deutschland gelaufen. Ein "neuer deutscher Nachkriegsfilm mit Charme", schrieb "Die Welt" damals. Auch in Großbritannien und sogar in Japan wurde der Stoff der getrennten Zwillinge in den fünziger Jahren verfilmt.

    Zuletzt lieferte 1994 Erfolgsregisseur Joseph Vilsmaier ("Herbstmilch", "Stalingrad") mit "Charlie Louise" eine moderne Fassung des Stoffes, der heute aktueller als noch vor 40 Jahren sei, wie Vilsmaier meinte. Damals habe es Scheidungen und familiäre Trennungen noch nicht in diesem Umfang gegeben. So schwärmt auch Disney-Regisseurin Meyers: "Und natürlich ist es das Größte, wenn Kinder für die Liebesgeschichte ihrer Eltern ein Happy-End erschaffen können. Wer würde so etwas nicht gerne glauben?"

    Nathalie Waehlisch, dpa

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