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  • Kritik: Disneys gelungener Zeichentrickfilm "Der Glöckner von Notre Dame"

    Frankfurt/M (AP) Was Hollywood mit "Forrest Gump" und "Rain Man" vollbrachte, ist den Disney-Studios in Florida und Paris jetzt mit dem "Glöckner von Notre Dame" geglückt: Eine wunderbare Tragikomödie über einen Außenseiter, verstandnisvoll, anrührend und zugleich voller Humor. Dem buckligen Quasimodo werden wohl einige Hochglanzfiguren aus anderen Zeichentrickfilmen ihren Platz im Kinderzimmer räumen müssen. In Deutschland ist das Kinovergnügen ab kommenden Donnerstag (28. November) zu sehen.

    Die Geschichte, die auf dem weltberühmten Roman von Victor Hugo beruht, spielt in Paris im ausgehenden Mittelalter. Rund 600 Zeichner, Animateure, Texter und Musiker haben sie in dreijähriger Arbeit zum Leben erweckt. Der Film beginnt mit einer atemberaubenden Kamerafahrt durch das enge Gassengewirr: Zwischen den Fachwerkhäusern sind Bauern mit Heukarren unterwegs, Unrat fliegt aus einem Fenster auf das Kopfsteinpflaster, Gaukler und Zigeuner ziehen zum Jahrmarkt vor der Kathedrale.

    Vom Turm aus betrachtet Quasimodo das bunte Treiben wehmütig: Das verwachsene "Monstrum" lebt seit seiner Kindheit hier oben in der Verbannung. Scham und der Befehl seines Vormunds, des moralinsauren Oberrichters Frollo, halten ihn in dem Versteck eingeschlossen. Seine einzigen Freunde sind drei steinerne Wasserspeier. Das Drama beginnt, als Quasimodo heimlich die Fassade hinunterklettert, um an dem Fest teilzunehmen.

    Der Jahrmarkt ist ein Musical, in dem die schöne Zigeunerin Esmeralda die Hauptrolle spielt. In der deutschen Filmfassung wird ihr Part gesungen von Ute Lemper. Doch plötzlich entdecken die Menschen, daß die originelle Maske Quasimodos sein echtes Antlitz ist, und bewerfen den Unglücklichen mit Eiern. Frollo entdeckt Quasimodo und weidet sich an dessen Qualen - doch Esmeralda rettet ihn - mit einem Feuerwerk, wie es nur im Trickfilm möglich ist. Junge Zuschauer, die eben noch den Tränen nahe waren, lachen befreit auf, als die ersten Häscher Frollos vom hohen Roß in den Straßenschlamm klatschen.

    Die Film ist auch ein ästhetischer Genuß: Das Leben in den Gassen oder das Stadtpanorama vom Glockenturm sind mit so viel Liebe zu Details gezeichnet und animiert, daß es eine Wonne ist. Als Esmeralda, auf der Flucht vor den Schergen, in Notre Dame Kirchenasyl findet, betrachtet sie überwältigt das Innere der riesigen Kathedrale. Und zu den Klängen der Orgel sieht auch der Zuschauer staunend die schier himmelhohen gotischen Pfeiler und den Einfall des Lichts durch die vielen, mit farbigen Ornamenten reich geschmückten Glasfenster.

    Im Dachstuhl des Glockenturms entdeckt Esmeralda später Quasimodos Schnitzereien, und er spürt ihre wachsende Zuneigung. Produzent Don Hahn erklärte: "Es ist die Geschichte eines Außenseiters - ein verwachsenes Gesicht mit einer reinen Seele -, der von seiner Umwelt akzeptiert werden möchte, aber dazu erst seine innere Angst überwinden muß." Vor dem Abgleiten ins Kitschige rettet den Film meist die Komik. Besondere Verdienste auf diesem Gebiet erwerben sich Esmeraldas Ziege sowie die drei Wasserspeier. Wie sie mit einer kabarettreifen Show Quasimodo, der sich in die Zigeunerin verliebt hat, Mut machen, das gehört zu den Höhepunkten des Films. Sogar die Säulenheiligen swingen mit und schnippen mit den Fingern.

    Die Musik schrieb der achtfache Oscar-Gewinner Alan Menken. Auch Hahn kann als Produzent von "Der König der Löwen" und "Die Schöne und das Biest" auf große Erfolge zurückblicken. An diesem letzten Film hatten auch die Regisseure Gary Trousdale und Kirk Wise mitgewirkt, "Der Glöckner von Notre Dame" ist ihre zweite Regiearbeit.

    Letztlich sei jede Figur in diesem Film ein Außenseiter, meinte Drehbuchautor Tab Murphy: Quasimodo wegen seines Aussehens; Esmeralda, weil sie Zigeunerin ist; Frollo, der überall nur "sündige Gelüste" wähnt, durch seinen Fanatismus. Frollos Hauptmann Phöbus wird vom Jäger zum Gejagten, als er sich ebenfalls in Esmeralda verliebt und sie zu retten versucht. Ein Happy-End des abenteuerlichen Dramas kann von einem Disney-Film erwartet werden. Dieses hier paßt zum Läuten der Weihnachtsglocken: "God help the Outcasts", singt der Schlußchor.

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