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  • Kritik: Disney im Wilden Westen

    «Die Kühe sind los» ist ein Zeichentrickfilm von Disney. Das heißt heutzutage, er ist technisch ausgefeilt, lustig, niedlich und kommerziell erfolglos. Die Mehrheit der heutigen Kinder will computeranimierte Figuren sehen.

    Nachdem die Geschichte von drei Kühen, die ausziehen, um ihre Farm zu retten, mit US-Einnahmen von gerade 50 Millionen Dollar die schon lange andauernde Serie kostspieliger Flops des Mickey-Maus-Konzerns fortsetzte, könnte sie die vorerst letzte große handgezeichnete Disney-Produktion werden. Damit steht fast 70 Jahre nach dem Erstling «Schneewittchen und die sieben Zwerge» und insgesamt 44 Filmen eine Institution am Ende.

    Unterdessen marschierte der Computer-Konkurrent «Shrek 2» mit 435 Millionen Dollar an US-Einnahmen auf Platz drei in der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten in Amerika - nur noch hinter Ausnahme-Blockbustern wie «Titanic» und «Star Wars». Auch künftige Disney-Trickfilme dürften größtenteils aus dem Computer kommen. Ein gewaltiges künstlerisches Potenzial hochkompetenter Spezialisten wird damit überflüssig. Schon nach dem Misserfolg des «Bärenbrüder» hatte Disney das Animationsstudio in Florida geschlossen. Zugleich zerbrach die lukrative Partnerschaft mit dem Studio Pixar, das in Serie computeranimierte Hits wie «Toy Story» oder «Findet Nemo» produziert.

    Witzig, frech, familienfreundlich

    Dabei kann man den dutzenden Disney-Mitarbeitern, die Jahre lang an «Die Kühe sind los» gearbeitet haben, eigentlich nicht vorwerfen, etwas falsch gemacht zu haben. Der Film passt nahtlos in die Disney-Trafition: Er ist witzig, frech, familienfreundlich und hat zugleich diesen augenzwinkernden, parodistischen Humor, der noch bei «Herkules» gut beim Publikum ankam.

    In der verdrehten Western-Welt von Disney sind die Kühe die Helden und nicht die Cowboys. Im Wilden Westen verlieren Farmer massenhaft ihr Hab und Gut, weil der berüchtigte Viehdieb Alameda Slim sein Unwesen treibt. So landet auch die preisgekrönte Show-Kuh Maggie eines Tages auf einer fremden Farm, weil es ihre Herde nicht mehr gibt. Aber so richtig willkommen ist sie mit ihren Star-Allüren dort nicht: Denn da gibt es schon eine feste Kuh-Gemeinschaft aus der alten Mrs. Calloway und der jungen und naiven Grace. Doch als auch ihrer Farm nach einer schlechten Ernte der Ruin droht, raufen sie sich zusammen. Weitere Helden neben den drei Kühen sind ein tollpatschiges Pferd, ein störrischer Ziegenbock, drei freche Schweinchen und ein einbeiniger Hase.

    Wie der Stammbaum der Disney-Familie

    Für die Vertonung der Originalversion wurden wie immer nur bekannte Namen ausgesucht: Comedy-Star Roseanne, Randy Quaid, Cuba Gooding Jr., Judy Dench. In Deutschland sprechen die quirlige Hella von Sinnen die Maggie, Marie Bäumer die Grace und Christiane Hörbiger Mrs. Calloway. Als Gag gibt es die Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir als zwei Bullen zu hören.

    Die Disney-Zeichentrickproduktion ist wie eine Industriemaschine. Da gibt es Aminatoren, die einzelnen Helden das Leben einhauchen, Teams, die sich um die Hintergrund kümmern und den Designer, der die Figuren entwirft. Die Liste der Macher von die «Die Kühe sind los» liest sich wie der Stammbaum der Disney-Familie. Da sind Animatoren, die Figuren wie Arielle, Simba, Belle oder Prinzessin Jasmin Leben zum Leben erweckten, der Designer entwarf schon die Helden von «Ein Königreich für ein Lama», einer der Fachleute ist schon seit dem Klassiker «Robin Hood» aus den 60er Jahren dabei.

    Schon im Herbst 1998 machten die Spezialisten erste Erkundungsreisen in den Westen, um sich ein Bild von der Gegend und dem Leben vor Ort zu machen. Anschließend wurden Kühe erforscht und Feinheiten der Geschichte ausgearbeitet. Mit Alan Menken schrieb ein achtfacher Oscar-Preisträger die Musik. Aber die ganze Mühe nützte beim Publikum nichts. Die Zeit, in der abendfüllende Disney-Zeichentrickfilme eine unangefochtene Klasse für sich waren, scheint endgültig vorbei zu sein.

    dpa

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