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  • Kritik: Dietls neue Filmsatire "Rossini"

    München (dpa) - Der Schicki-Micki-Szene hat schon immer die besondere Liebe von Regisseur Helmut Dietl gegolten - und sein bitterböser Spott. Der Experte für spritzige Satiren nimmt in seiner zweiten Kinoproduktion nach "Schtonk" die eigene Branche aufs Korn. "Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" ist ein turbulente Parabel vom Größenwahn im Filmgeschäft.

    Die bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzte Geschichte, die am Donnerstag (31.1.) in die Kinos kommt, klingt einfach: Produzent Oskar Reiter (brillant: Heiner Lauterbach) und Regisseur Uhu Zigeuner (Götz George) wollen einen Knüller landen, doch der kauzige Bestseller-Autor (Joachim Krol) rückt seinen Erfolgsroman nicht raus. Der Produzent gerät deshalb mit seinen millionenschweren Schulden bei einigen "Sparkassenfuzzis" enorm in die Bredouille - und alle miteinander schlingern in ein riesiges Kuddelmuddel aus Haß, Liebe, Leidenschaft, Eifersucht und Verzweiflung.

    Die Story spielt fast ausschließlich an einem Abend und nur an einem einzigen Schauplatz - eben im "Rossini". "Diese Einheit von Ort, Zeit und Handlung war eine der schwierigsten Übungen in meinem bisherigen Filmleben", sagt Dietl im dpa-Gespräch.

    Wie in einem skurrilen Puzzle greifen die mit Kerzenlicht illuminierten Restaurant-Szenen ineinander: Da empfiehlt der Schönheitschirurg für die Frau Gattin eine aufgepeppte Brust ("größer als ein Apfel, aber kleiner als eine Honigmelone"); die Schöne am Nebentisch (Gudrun Landgrebe) quält sich derweil wegen der unerquicklichen "Zipfelspiele" ihrer beiden Liebhaber mit chronischer Verstopfung. Und schließlich schneit zur Wonne von Restaurantchef und Obermacho Paolo (Mario Adorf) auch noch Schneewittchen ("Superweib" Veronica Ferres) herein, die jedoch für die Titelrolle der Lorelei bald zielstrebig auf die echten Filmemacher umsteigt.

    Im Klatschdorf München hat längst das beliebte Szene-Spiel "who is who" begonnen. Aber Dietl sieht seine "Melodramödie" nicht als Freunderl-Revue: "Ich schreibe über verarbeitete Erfahrungen - nicht über Erlebnisse." Sicher ist jedenfalls, daß das in einer 20á000- Quadratmeter-Halle nachgebaute Lokal verdammte Ähnlichkeit mit Dietls Stammkneipe hat. Und neben dem Nesselfieber von Regisseur Uhu dürfte auch sonst allerlei geben, das nicht so ganz frei erfunden ist.

    Dietl ist ein Perfektionist. Nicht nur am "Dreh" mußte alles vom Feinsten sein. Der Elf-Millionen-Streifen hat auch ein erstklassiges Buch. Fast drei Jahre rang der Filmemacher mit seinem Freund und Co- Autor Patrick Süskind ("Das Parfüm") um das Skript: "Manchmal haben wir stundenlang nur an einem einzigen Satz gefeilt."

    Mit dem Drehbuchpreis des Bundesinnenministers, dem diesjährigen Ernst-Lubitsch-Preis und dem Bayerischen Filmpreis geht "Rossini" hochdekoriert an den Start. Für den Zuschauer freilich ist die Schußfahrt durch die explodierenden Emotionen manchmal so atemberaubend, daß der warmherzige Blick auf die schwachen Seiten der Helden, der etwa die TV-Serien "Monaco-Franze" oder "Kir Royal" so liebenswert machte, auf der Strecke bleibt.

    Seit Dietls ganz großem Erfolg "Schtonk" sind fünf Jahre vergangen. Die Grosteske um die gefälschten Hitler-Tagebücher wurde damals sogar für den "Oscar" nominiert. "Wenn man nur alle paar Jahre einen Film macht, wird der Erwartungsdruck hoch", stöhnt Dietl. Diesmal kommt er am Bauchweh kaum vorbei. In Zukunft will er - auch wegen seiner Vereinbarungen mit WDR und SAT 1 - die Schlagzahl erhöhen. "Schließlich bin ich jetzt 52. Da kann ich mir bei einigermaßen guter Gesundheit ausrechnen, wieviele Filme ich noch machen kann."

    Von Nada Weigelt, dpa

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