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  • Kritik: Diese Website ist ein Killer

    Als Quelle zeitgenössischen Grauens bietet sich das Internet an. Von diesem wild wuchernden Kosmos aus Informationen und Bildern fühlten sich die Macher von "FearDotCom" inspiriert. Die Website ist der Auslöser einer Mordserie in New York.

    Wer sich hier einloggt, ist exakt 48 Stunden später tot. Zu einer "Schnitzeljagd des Grauens" lädt William Malones Film ein. Doch trotz der angstverzerrten Gesichter der Opfer und ihrer blutenden Augen ist das wahrhaft Schreckliche an diesem Thriller die aufsteigende Langeweile.

    Es keimt Hoffnung auf einen vergnüglichen Trash-Faktor

    In panischer Furcht rast Udo Kier (Dr. Polidori) in der Eingangssequenz durch einen New Yorker U-Bahn-Tunnel. Das Grauen auf seinem Gesicht wirkt so grotesk künstlich wie die Studiokulisse. Das weist von vornherein zwar auf einen schlechten Film hin, weckt aber die Hoffnung auf einen vergnüglichen Trash-Faktor. Die Erwartung stirbt mit Polidori, der als erstes Opfer in einer Reihe rätselhafter Todesfälle die Ouvertüre nicht überlebt.

    Vor dem Bildschirm zu Tode erschreckt

    Stephen Dorff (als New Yorker Detective Marc Reilly) und Nastascha McElhone (als Gesundheitsinspektorin) werden in diesem Fall zu Partnern, weil erste Anzeichen zunächst auf eine Ebola-Infektion deuten. Eine Seuche aber lässt sich nicht nachweisen, und es ist offensichtlich, dass die Opfer ihre Todeskämpfe nicht mit dem Virus ausgefochten haben, sondern vor ihrem Bildschirm zu Tode erschreckt wurden.

    Theorie von der Verselbstständigung geballter Netz-Energie

    Im Internet operiert ein gewisser Alistair Pratt (Stephen Rea), der sich "Doctor" nennt und junge Frauen vor laufender Kamera zu Tode foltert. Seine Spuren weiß er im Netz zu verwischen, hält aber Briefkontakt mit Reilly, der den Fall an das FBI abgeben musste. Der "Doctor" und das Buch des schon im Vorspann hingerichteten Netz-Visionärs Polidori führen ihn in seinen Ermittlungen zu einer Website, die im Wortsinn ein Killer ist. In einer tödlichen Beweisführung bestätigt sich die scheinbar abstruse Theorie Polidoris von der Verselbstständigung geballter Netz-Energie.

    Blutende Augen der Opfer als Metapher für Net-Voyeurismus

    In den blutenden Augen der Opfer sucht der Film seine Metapher für den exzessiven Net-Voyeurismus, ohne jedoch in die Abgründe des Mediums einzutauchen. Er illustriert sie lediglich mit überfallartigen Bildern, in denen sich die Verwüstungen als Folge tödlicher Seh-Süchte manifestieren sollen. Mit den Schlachtfeldern des Grauens versucht der Film an "Seven" von David Fincher (1995) anzudocken, verkümmert aber erzählerisch im Schatten dieses anspruchsvoll durchkonzipierten Vorbilds.

    Eher Verwirrung statt spannender Irritation

    Statt spannender Irritation stiftet Malones Net-Horror eher Verwirrung beim zusehends müder werdenden Publikum. Selten hat ein zeitgenössischer Horrorfilm sein Kapital so verschleudert wie "FearDotCom". Es versickert in einem uninspirierten Puzzle abgespielter Stereotypen. Nach Udo Kiers Kurzauftritt beginnt ein uncharismatischer Horrorfilm, der weder in seinem eigenen Genre noch im Internet zu Hause ist.

    Ricarda Schrader, dpa

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