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  • Kritik: Die vergängliche Leichtigkeit des Seins

    Australische Komödien sind rustikal und ihre Helden knorrige Sonderlinge mit kauzigen Angewohnheiten. So kennen wir's seit "Malcolm" oder "Crocodile Dundee", so sind wir's gewohnt, und so mögen wir's. "Liebe und andere Katastrophen" enttäuscht unsere Erwartungen. Auf angenehmste Weise.

    Wahrscheinlich ist es eine Generationsfrage. Emma-Kate Croghan ist gerade 24 und groß geworden zu jener Zeit, als die Medien ihre Heimat vom Hinterwäldler-Dasein in die zivilisierte Welt katapultierten. Die zivilisierte Welt, das hieß US-Kino und US-Fernsehen. Und so mag ihr Filmdebüt an der Universität von Melbourne spielen, im Herzen ist es so australisch wie Kentucky Fried Chicken.

    Croghans College-Neurotiker könnten genausogut in Los Angeles oder New York studieren: Alice, die einen ehrlichen Mann sucht, der dieselben Filme mag wie sie; Mia und ihre Freundin Danni, die sich lieben, aber nicht so sehr, um zusammenzuziehen; Ari, der Alices heimlicher Schwarm ist, und Michael, der es eigentlich sein sollte.

    Die diversen Zwei- oder Dreiecke, die sich daraus zusammensetzen lassen, haben wir tausendmal gesehen, und deshalb kommt alles auf den Blickwinkel an, aus dem man sie sieht. Croghan verordnet der Geschichte Tempo (alles spielt sich an einem Tag ab), schaut ihren Gestalten stets liebevoll spöttisch über die Schulter und spielt witzig mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, die natürlich bald wissen, wie alles ausgehen muß (und selbstverständlich auch ausgeht).

    Durch "Liebe und andere Katastrophen" weht der Wind der kontrollierten Improvisation. Daß dieser Film für ganze 45 000 Dollar in nur 17 Tagen mit Nachwuchsdarstellern entstanden ist, spürt man, merkt es ihm aber nicht an. Denn technisch ist daran nichts auszusetzen, und doch sprüht "Liebe" von einer spontanen Energie und sorglosen Leichtigkeit, wie sie Debütanten meist schnell abhanden kommt. Da haben junge Menschen noch romantische Vorstellungen von dem, was vor ihnen liegt, schieben den großen Ernst des Lebens noch erfolgreich beiseite, obwohl sie schon ahnen, daß er auf sie zukommt. Mal sehen, ob Croghan ihm auch erliegt, wenn sie beim nächsten Film ein 4,5-Millionen-Budget schultern muß.

    Copyright: , 1996

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