40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Die tödliche Trauer eines Vaters
  • Kritik: Die tödliche Trauer eines Vaters

    Zutiefst amerikanischer, also gewalttätiger Film

    Der Student Frank Fowler und die in Scheidung lebende Natalie, bereits zweifache Mutter, sind ein sympathisches Paar. Allerdings hat es ein ernstes Problem mit Richard, den unberechenbaren, gewalttätigen Mann von Natalie, der sich mit der Trennung von ihr nicht abfinden will. Besorgt beobachten Franks Eltern die ungeklärten Verhältnisse, in denen ihr Sohn steckt und die ihm zum Verhängnis werden sollen.

    Vater Matt ist in dem schmucken Städtchen in Neu-England ein hoch geachteter Arzt, der gerne mit dem Boot auf Fischfang geht. Seine Frau Ruth leitet geduldig den Chor der High-School. Für beide bricht ihr etwas langweiliges, aber auch geordnetes Leben zusammen, als sich Frank nach einer eskalierenden Auseinandersetzung zwischen Natalie und Richard einmischt, von dem eifersüchtigen Mann bedroht und schließlich im Affekt erschossen wird.

    Die Fowlers haben ihren einzigen Sohn verloren, ein schrecklicher Schock. Hilflos müssen sie mitansehen, wie der Mörder frei herumläuft und beste Chancen hat, mit einer glimpflichen Strafe davonzukommen. Jahrelang aufgestaute Spannungen zwischen dem Ehepaar brechen auf, Vorwürfe werden gewechselt, im Schlafzimmer herrscht kein Frieden mehr.

    Field gelingt es zu zeigen, wie sich in dem bis dahin absolut friedlichen Arzt eine zu jeder Konsequenz bereite Aggression aufbaut, die sich dann in einem kaltblütig durchgeführten Racheakt entlädt. Danach kehrt Matt Fowler zurück zu seiner Frau, alles ist wieder im Lot, und doch wird nichts so sein, wie es war. Der Film bricht da ab, wo wir fragen: Was wird aus diesem Ehepaar, kann dieser Akt der Selbstjustiz gebilligt werden, wie hätten wir gehandelt? "In the Bedroom" entlässt den Besucher also mit Fragen. Das ist seine Qualität, die nicht gering zu achten ist.

    Eine andere Qualität des in diesem Jahr gleich für fünf Oscars nominierten Films sind die großartigen Darsteller Tom Wilkinson als Matt und Sissy Spacek als Ruth. Der massige Brite Wilkinson verkörpert äußerst glaubwürdig und mit hoher Intensität einen Mann, der aus Gram über den ermordeten Sohn selbst zum Mörder wird, ohne die Sympathie des Zuschauers einzubüßen. Und Spacek, schon seit Jahrzehnten ein profiliertes Gesicht des amerikanischen Films, zeigt eine alternde Frau, an deren Erstarrung und Dominanzstreben Sohn wie Mann leiden.

    "In the Bedroom" ist kein routiniertes Hollywood-Produkt mit absehbar gutem Ausgang. Aber gerade im Schlussteil, wenn es zur zweiten Bluttat kommt, ist es ein zutiefst amerikanischer, also gewalttätiger Film. Wie anders war doch da der thematisch verwandte italienische Erfolg "Das Zimmer meines Sohnes" von Nanni Moretti. Bemerkenswert an Todd Fields viel versprechendem Erstling ist übrigens, dass er ausschließlich im Milieu der weißen Mittelklasse spielt. Kein Vertreter der farbigen Minderheiten kommt ins Bild, weil diese offenbar oben in Neu-England keine Rolle spielen. Die USA sind wirklich ein riesiges Land.

    Wolfgang Hübner, AP

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -5°C - 4°C
    Montag

    -2°C - 4°C
    Dienstag

    0°C - 4°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!