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  • Kritik: Die schwule Elf

    Das Thema Fußball hat sich im deutschen Kino längst nicht erschöpft. Bevor im Dezember Gil Mehmerts «Aus der Tiefe des Raums» dem Publikum verblüffende Erkenntnisse über den Werdegang eines Starkickers vermitteln wird, bricht nun Sherry Hormanns Komödie «Männer wie wir» ein Tabu und stellt eine schwule Fußballmannschaft auf.

    Obwohl Deutschlands Frauenfußballerinnen weltmeisterlich sind, gilt dieser Sport noch immer als Männersache. Und wie Günter Netzer gerade noch in der Sendung «Menschen bei Maischberger» bestätigt hat, wäre ein Outing für prominente Spieler durchaus fatal. Dasselbe gilt für Amateurkicker in einem münsterländischen Dorf. Dort hat Torwart Ecki (Maximilian Brückner) den entscheidenden Ball nicht gehalten. Weil er den Aufstieg verpatzt hat, fliegt er aus der Mannschaft. Damit gilt er als Aussätziger und bekennt sich bei der Gelegenheit auch gleich noch zu seiner Homosexualität. Er fordert Revanche und geht nach Dortmund, um sich zehn schwule Kicker zu suchen. Zu beweisen ist, dass auch Homosexuelle gute Fußballer sind.

    Mit volkstümlichem Charme untergräbt Sherry Hormann («Irren ist männlich», «Widows») das homophobe Selbstverständnis des deutschen Macho-Sports. Natürlich ist es im Sinne eines bewährten Komödien-Musters ein desolater Haufen, den Ecki an verschiedenen Brennpunkten der Dortmunder Schwulen-Kultur mühsam rekrutiert hat. Eine im Alkohol verbitterte Fußball-Legende (Rolf Zacher) wird das extravagante Team auf Vordermann bringen.

    Die Originalität dieser Fußball-Farce wird zwar durch das gern imitierte doch bisher unerreichte Vorbild der männlichen Amateurstripper aus «Ganz oder gar nicht» eingeschränkt. Dafür wurde für den Erfolg an der Basis deutsche Fernsehprominenz aufgestellt: Saskia Vester und Dietmar Bär als von der Dorfgemeinschaft bemitleidete oder gar geächtete Eltern eines schwulen Fußballversagers, sowie Mariele Millowitsch, die sich hier als abgehärtete Wirtin einer Dortmunder Absackerkneipe gegen ihr gefälliges TV-Profil behaupten darf.

    Mit ihrer leichten Komödie hat Sherry Hormann immerhin ein heißes Eisen ausgegraben - die Schwulitäten des deutschen Fußballs. Der Ball fliegt nicht allzu hoch in diesem Lustspiel, aber es kann mit einigen originellen Spielzügen aufwarten.

    dpa

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