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  • Kritik: Die schmutzigen Geschäfte des CIA

    Zuschauer weiß immer nur gerade soviel wie der CIA-Veteran

    Redford spielt einen CIA-Agenten vom alten Schlag. An seinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand muss Nathan Muir noch einmal richtig ran: Sein früherer Zögling Tom Bishop (Pitt) ist aufgeflogen, wird in einem chinesischen Gefängnis gefoltert und soll binnen 24 Stunden exekutiert werden.

    Außer Muir will niemand vom CIA intervenieren, denn die USA verhandeln gerade wegen eines Handelsabkommens mit China. Da rangieren wirtschaftliche und diplomatische Interessen höher als ein Menschenleben. Also versucht Muir heimlich und im Wettlauf mit der Zeit, seinem Ex-Schützling zu helfen. Das ist schwierig, weil seine kaltblütigen Geheimdienstkollegen den Beinahe-Pensionär gleichzeitig stundenlang ausfragen, um zu erfahren, was für ein Typ dieser Bishop ist: Nicht ohne Grund hat der Idealist den Spitznamen Boyscout, also Pfadfinder.

    Die Gegenwartshandlung spielt vor allem in der CIA-Zentrale in Langley, Washington, doch zwei Drittel des Films sind Rückblenden. Um dahinter zu kommen, weshalb Bishop in dem chinesischen Gefängnis gelandet ist, geht Muir weit in die Vergangenheit zurück. Im Vietnamkrieg hatte er Bishop kennen gelernt, in Berlin zur Zeit des Kalten Krieges zum Agenten ausgebildet. Gemeinsam kämpften sie in Beirut gegen arabische Terroristen - und zerstörten dabei ihre Freundschaft.

    Der Regisseur Tony Scott setzt auf die Kraft der Bilder. Harte Schnitte, kurze Einblendungen, Zeitraffer-Schwenks kontrastieren die kühle Welt des CIA-Hauptquartiers mit den Krisenherden der Welt und geben dem Film Tempo. Dreh- und Angelpunkt ist Beirut im Jahr 1985: Das Elend in den Flüchtlingslagern und die Machenschaften des amerikanischen Geheimdienstes im Nahostkonflikt.

    Gedreht wurde "Spy Game" vor dem 11. September, aber Assoziationen zu den Terroranschlägen auf das World Trade Center stellen sich fast zwangsläufig ein, wenn etwa ein moslemischer Selbstmordattentäter in Beirut in ein mehrstöckiges Haus rast. Bei der Explosion kommen die Zielperson - der Terrorist - aber auch Dutzende von Zivilisten um. "Spy Game"-Produzent Marc Abraham hatte seinen Film einem Testpublikum gezeigt: 80 Prozent der Zuschauer waren dafür, den Streifen bald starten zu lassen, und tatsächlich kam er beim amerikanischen Kino-Publikum trotz - oder gerade wegen - der martialischen Szenen gut an.

    Das Faszinierende an dem Film ist vielleicht, dass der Zuschauer immer nur gerade so viel weiß wie der CIA-Veteran Muir. Und der hat immerhin ein ziemlich kompliziertes Geheimdienst-Rätsel zu lösen. Bei aller Spannung geht es aber letztlich nur um die Frage, wer sich wie sehr und aus welchen Motiven auf die CIA-Methoden einlässt. Und am Ende ist eines klar: Geheimdienst ist kein Spiel, sondern ein ziemlich schmutziges Geschäft.

    Sonja Pohlmann, dpa

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