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  • Kritik: Die Provinz schlägt zurück

    Zum Aufatmen: Turturro als schräger Butler

    Doch dann muss der Held der Komödie "Mr. Deeds" sich aber doch aus dem heimatlichen Dorf in New Hampshire nach New York bemühen, um im Konzern nach dem Rechten zu sehen.

    Schon lauern die großstädtischen Geier, um dem frisch gebackenen Milliardär die Penunze wieder abzujagen. Der betrügerische Geschäftsführer drängt ihn zum Verkauf, und eine skrupellose Journalistin schmeißt sich an ihn 'ran. Doch Mr. Deeds bremst sie mit seinem speziellen hinterwäldlerischen Charme aus.

    Longfellow Deeds ist ein kindischer Depp

    Ob der unbedarfte Pizzeriabesitzer, dessen Hobby das Dichten ist, nun selbst nicht ganz dicht oder nur ein besonders naiver, also guter Mensch ist, darüber lässt einen diese Komödie nicht lange im Unklaren. Longfellow Deeds ist ein kindischer Depp. Und je mehr der für seine regressive Komik berüchtigte Adam Sandler versucht, den Gegenbeweis anzutreten, umso unlustiger und gezwungener kommt die Komödie daher.

    Adaption von Frank Capras oscargekrönter Screwball-Comedy

    Der Film ist eine freie Adaption von Frank Capras oscargekrönter Screwball-Comedy "Mr. Deeds geht in die Stadt" aus dem Jahre 1936. Wer diesen Klassiker nicht kennt, langweilt sich die meiste Zeit bei Sandlers "Mr. Deeds". Wer den Vorläufer kennt, ärgert sich obendrein.

    Gerissenes Biest: Winona mit Kamera im Dekollete

    Winona Ryder spielt die Fernsehreporterin Babe, die sich als brave Kinderkrankenschwester ausgibt und als angebliches Opfer eines Raubüberfalls von Mr. Deeds gerettet wird. Ein süßes Lächeln später hat sie Deeds schon am Haken: Er ist unrettbar verliebt in das Mädchen, das wie er vom Lande zu stammen scheint. Mittels einer im Dekollete versteckten Kamera will die falsche Unschuld den Milliardär in ihrer Show blamieren.

    Gutmensch ohne Sinn für Ironie und Zwischentöne

    Erwartungsgemäß verliebt aber auch sie sich in den Gutmenschen, der nicht weiß, was Ironie ist und drauf haut, wenn jemand in Gesellschaft einer Dame das unfeine amerikanische "F...Word" benutzt. Die Provinz schlägt zurück: Auch blasierte Intellektuelle bekommen seine Fäuste zu spüren, wenn sie Deeds wegen seiner Gedichte verspotten, die nach dem Motto "reim dich, oder ich beiß dich" verfasst sind.

    Chemie zwischen Deeds und Ryder stimmt nicht

    Der Trottel mit dem Herz am rechten Fleck hat viel mit der von Sandler stets gefeierten Trash-Kultur und gar nichts mit dem Charakter des Original-Deeds, gespielt von Gary Cooper, zu tun. Auch die Chemie zwischen Deeds und der herzigen Pam alias Babe stimmt nicht.

    Ein paar Momente deftigen Slapsticks

    Aber es gibt ein paar Momente deftigen Slapsticks, die zwar nicht zu einem Sozialmärchen passen wollen, doch immerhin amüsieren. Etwa wenn Deeds, allzeit bereites Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, in ein brennendes Haus stürmt und nacheinander sieben Katzen aus dem Fenster wirft, die alle unversehrt landen.

    Die witzigste Figur ist der stets berückende John Turturro, der Deeds' schrägen Butler spielt, sich unter anderem als Fußfetischist entpuppt, und dem selbstgefälligen und aufdringlich uneitlen Adam Sandler mühelos die Show stiehlt.

    Doch im Vergleich mit den Intentionen von Capras Komödie, in der Deeds den nach der Wirtschaftskrise ruinierten Farmern helfen will, lässt sich Sandlers Film nur als zynische Parodie begreifen. Deeds' gute Werke bestehen darin, Jungs für 20.000 Dollar das Fahrrad abzukaufen und planlos Geld zu verteilen.

    Turbo-Therapie für Kapitalisten gibt Film den Rest

    Am Ende sprengt er mit großem Getöse die Aktionärsversammlung, die den Verkauf des Konzerns absegnen soll und bei dem 50.000 Arbeitsplätze verloren gehen würden. Dabei ist Deeds, der zuvor aus Überdruss und Liebeskummer den Konzern veräußert und dabei keinen Gedanken an die Beschäftigten verschwendet hat, an der Situation schuld. Doch für das Konzept der sozialen Verantwortung reicht sein Grips nicht, nur für eine sentimentale Rede, die zur Turbo-Therapie für Kapitalisten gerät und dem Film den Rest gibt.

    Birgit Roschy, AP

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