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  • Kritik: Die Mafia in New Yorks Rathaus: "City Hall"

    Politik ist ein schmutziges Geschäft. Erst recht in dem Moloch New York, wo sich hinter den glitzernden Hochhausfassaden eine Vielzahl dunkler, dreckiger Gassen verbirgt, in denen zwiespältige Gestalten ihr unreines Geschäft durchziehen.

    An diesem regnerischen Tag ist es zum Beispiel ein korrupter Polizist, der sich mit dem Neffen eines stadtbekannten Mafiosi trifft. Ihr kurzes Gespräch endet in einer Schießerei, der nicht nur sie beide, sondern auch ein unschuldiger kleiner Junge zum Opfer fallen. Dadurch wird dieses kleine tödliche Aufeinandertreffen, wie es so oder ähnlich alltäglich in der Bronx oder Brooklyn stattfinden mag, auf einmal zur politischen Sache und dringt bis in das Rathaus, die "City Hall", vor.

    In dem gleichnamigen Thriller geht es Regisseur Harold Becker ("Sea of love") nicht um die Suche nach dem Täter, nicht um crime and suspense, sondern um die schwierige Suche nach den Verstrickungen zwischen Politik, Justiz und Mafia. Lokalpolitik à la New York als entlarvender Blick auf den Verlust politischer Ideale, auf Männerbünde ohne Moral und ein unterirdisches Verbindungsnetz, das wie geschmiert läuft.

    Kevin Calhoun (John Cusack), die rechte Hand von Bürgermeister John Pappas (Al Pacino), ist noch ein Idealist und damit die rechte Lichtgestalt, um die dunklen Verbindungskanäle auszuleuchten. Warum war Tony Zapatti, der am Vorgang beteiligte Paten-Neffe, widerrechtlich auf freien Fuß gesetzt? War der zuständige Richter Walter Stern (Martin Landau) korrupt? Und sollte tatsächlich im Wahljahr der Bürgermeister hinter dieser ganzen dreckigen Aktion stehen?

    "City Hall" ist eine geballte Portion Politikstoff. Weniger handlungs- als wortreich führt dieser Krimi durch den matschigen Stadtsumpf von Korruption, Übervorteilung, Spekulation und Bestechung. Kompakt und konzentriert inszeniert, erhält der Film seine Spannung aus den immer wieder neuen Entdeckungen und Enthüllungen über den Dreck, den die Männer im guten Anzug da unter ihren teuren Schuhen tragen. Ein Film, der keinen Platz für schauspielerische Parforce-Touren läßt, sondern die Darsteller in die Notwendigkeiten der komplizierten Geschichte einbindet.

    Deshalb agiert der kraftvolle Method-Schauspieler Al Pacino hier eher zurückhaltend. Als integrative souveräne Politikerfigur muß er seine Arme und Beine im Zaum behalten. John Cusack und Bridget Fonda, die eine Anwältin spielt, gehen mit Forscherblick und Erfindungsgeist auf Spurensuche nach den dunklen Flecken auf den vielen weißen Westen, die ihnen täglich in ihrer Arbeit begegnen. Politik ist ein schmutziges Geschäft. Und "City Hall" ein guter Film zu diesem Thema.

    "City Hall" (USA) 1995: 115 Minuten. Startet mit 80 Kopien. Frei ab zwölf Jahren. Regie: Harold Becker. Buch: Ken Lipper, Bo Goldman, Nicholas Pileggi, Paul Schrader. Kamera: Michael Seresin. Musik: Jerry Goldsmith. Darsteller: Al Pacino, John Cusack, Bridget Fonda, Danny Aiello, David Paymer, Martin Landau, Anthony Franciosa.

    Copyright: , 18.4.1996

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