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  • Kritik: Die Liebe in Zeiten des Krieges

    Die Liebe in Zeiten des Krieges, dieses immer wiederkehrende Filmthema, erlebt eine neue Variante: In "Gloomy Sunday: Ein Lied von Liebe und Tod" wird eine nahezu vorbildliche Dreiecksbeziehung zerstört von einem rachsüchtigen und profitgierigen deutschen SS-Mann.

    Regisseur Rolf Schübel hat die tragische Geschichte mit gebremster Melancholie und allzu kühlem Kopf inszeniert. Taschentücher dürfen trocken bleiben, dafür gibt es wunderbare Darsteller zu sehen, die ihren Rollen klare Konturen und Tiefgang verleihen.

    Joachim Krol ("Der bewegte Mann"), Ben Becker ("Schlafes Bruder"), Stefano Dionisi ("Farinelli") und die ungarische Entdeckung Erika Marozsan bilden das Kern-Quartett der kurz vor und während der deutschen Besatzung im ungarischen Budapest spielenden Handlung. Als Restaurantbesitzer Laszlo ist Krol der ruhende Pol in einem von ihm selbst geschaffenen Mikrokosmos, den er gemeinsam mit seiner so schönen wie eigenständigen Geliebten Ilona regiert. Als der Pianist und Komponist Andras für das Restaurant engagiert wird, beginnt eine sorgfältig ausbalancierte Liebe zu dritt, die erst nach Jahren von einem auch in Ilona verliebten Deutschen grausam vernichtet wird.

    "Ich glaube schon, daß die Drei auch langfristig eine Chance gehabt hätten", sagte Krol. "Dass es dann in einer Tragödie endet, dafür steht die Zeit. Vielen ist damals das Glück gestohlen worden." Des Glückes Dieb ist in diesem Fall der SS- Standartenführer Wieck (Becker). Wieck schikaniert den sensiblen Musiker Andras, bis sich dieser erschießt. Und er lässt es zu, dass der Jude Laszlo, der ihn vor dem Krieg nach einem liebeskranken Sprung in die Donau gerettet hat, nach Auschwitz deportiert wird.

    "Wieck ist ein Schwein und eine arme Sau, ein Schlitzohr und ein selbstverliebtes, verlogenes Arschloch", beschreibt Becker seine Rolle. Eigentlich reizten ihn solche Typen in Uniform nicht besonders, doch dieses Mal sei es anders gewesen, bekennt der Berliner Schauspielstar. Denn durch eine dramaturgische Klammer spannt der Film einen Bogen in die Gegenwart: Wieck, nach dem Krieg aufgestiegen zum Wirtschaftsboss, kehrt in das Restaurant in Budapest zurück, um hier seinen 80. Geburtstag zu feiern. Späte Rache ist ihm sicher. "Dass der so erfolgreich war und so eine Geschichte im Gepäck hat, damit muss man sich auseinandersetzen", sagt Becker. "Wieviele solcher Männer sind heute noch unter uns - als Träger des Bundesverdienstkreuzes?" Einen Clou konnte Regisseur Schübel bei der Besetzung des alten Wieck landen, der von Bens echtem Vater Rolf Becker dargestellt wird.

    Und dann wäre da noch die Musik, die in dem Film nach dem Roman "Das Lied vom traurigen Sonntag" von Nick Barkow eine ganz besondere Rolle spielt. Denn dieser Song "Gloomy Sunday" hat damals wirklich als Selbstmörder-Hymne Hunderte von Menschen den Freitod versüßt, seinen Komponisten reich gemacht - und zur Verzweiflung getrieben. Daß der Film dennoch kein süffiges Melodrama geworden ist, liegt an der Regie des erfahrenen Dokumentarfilmers und Grimme-Preisträgers Schübel: Er rückt seinen Figuren nicht auf die Pelle, sondern beobachtet sie geduldig, ohne Distanz aufzugeben. Ein bisschen mehr Nähe und Mut zum großen Gefühl wäre dieser Geschichte allerdings besser bekommen.

    Karin Zintz, dpa

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