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  • Kritik: Die Geister, die sie riefen...

    Berlin. Der Vietnamkrieg wurde bereits in zahlreichen Filmen verarbeitet. Darunter sind Meisterwerke wie "Apocalypse Now", "Platoon" oder "Full Metal Jacket". Der australische Regisseur Phillip Noyce ist jetzt der Frage nachgegangen, wie die USA überhaupt in diesen Krieg geraten konnten und fand in Graham Greenes Roman "Der stille Amerikaner" die perfekte Vorlage für seinen Vietnamkriegs-Film der etwas anderen Art.

    Saigon im Jahr 1952 - für Thomas Fowler (Michael Caine) ist dies Paradies und Asyl zugleich. Fernab der Heimat und der ungeliebten Ehefrau genießt der in die Jahre gekommene Korrespondent der "London Times" das süße Nichtstun, an seiner Seite die wunderschöne, blutjunge Phuong (Do Thi Hai Yen). Der Indochina-Krieg ist in vollem Gange, aber Politik interessiert den Zyniker Fowler schon lange nicht mehr. Sie ist lediglich ein guter Vorwand, nicht aus dem Paradies vertrieben zu werden.

    Der "unpatriotische" Film sollte gar nicht in die Kinos kommen

    Eines Tages begegnet er Alden Pyle (Brendan Fraser), dem Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation. Nachsichtig lässt sich Fowler die Bewunderung des arglosen und idealistischen jungen Amerikaners gefallen. Und auch als dieser sich unsterblich in Phuong verliebt, bleibt die Freundschaft der ungleichen Männer bestehen. Dann explodieren in Saigon zwei Autobomben, viele Zivilisten sterben. Ungläubig muss Fowler erkennen, dass Payne, der "stille Amerikaner", nicht der unbedarfte Mann ist, für den er ihn gehalten hat.

    Oscar-Nominierung für Michael Caine

    Die Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen waren einigen Verantwortlichen wohl zu offensichtlich: Angeblich hielt Harvey Weinstein, Chef der Filmfirma Miramax, die Geschichte für zu "unpatriotisch" und wollte den Kinostart verhindern. Nur dem massiven Drängen von Hauptdarsteller Michael Caine soll es zu verdanken sein, dass "Der stille Amerikaner" nicht mundtot gemacht wurde. Insofern darf die Oscar-Nominierung Caines in diesem Jahr sowohl als Anerkennung seiner herausragenden schauspielerischen Leistung als auch der ausgeprägten künstlerischen Integrität des Briten gewertet werden.

    Denn Phillip Noyce und allen Beteiligten ist ein beeindruckender und wichtiger Film gelungen über Machtmissbrauch, falsch verstandene Ideale und die Illusion, die Geister, die man rief, bändigen zu können.

    Nina Jerzy, ddp

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