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  • Kritik: Die Angst vor dem Licht in der Düsternis

    Das Grauen nicht zeigen, sondern Urängste wecken

    Grace wartet mit nur noch wenig Hoffnung auf den im Krieg vermissten Mann, beide Kinder leiden unter Lichtallergie und einer Mutter, die alles strikt reglementiert. Das bekommen rasch auch die drei neuen Bediensteten im Haus zu spüren, vor allem die gütige Hausdame Mrs. Mills.

    Dieser wie auch dem Gärtner Mr. Tuttle und dem taubstumme Zimmermädchen Lydia werden von der herrischen Grace drei Regeln aufgezwungen, gegen die nie verstoßen werden darf: Immer muss das Haus in Halbdunkel getaucht sein. Immer müssen alle Vorhänge zugezogen sein. Immer muss die letzte Tür geschlossen und verriegelt werden, bevor die nächste geöffnet werden darf. Die Befolgung dieser Regeln ergibt eine gespenstische Atmosphäre in den ohnehin reichlich morbiden Kulissen des viktorianischen Anwesens.

    Nur Mrs. Mills ist ein Lichtblick im abgedunkelten Dasein der Kinder. Ihr berichten diese auch von dem Zeitpunkt, an dem `Mutti völlig durchdrehte". Es war der Tag, an dem die vorherigen Bediensteten kündigten und das unheimliche Haus verließen. Immer mehr deutet darauf hin, welch schreckliches Geheimnis dessen Mauern bergen, wozu auch ein Fotoalbum Hinweise gibt. Wie grausig dessen Abbildungen sind, erschließt sich dem Betrachter erst mit Verzögerung, dann aber um so verstörender. Nichts ist in dem Haus, wie es scheint: Nicht die Lebenden, erst recht nicht die Toten.

    Erst 29 Jahre alt ist der in Chile geborene Spanier Alejandro Amenabar, der den am 10. Januar in den Kinos anlaufenden Schocker `The Others" nicht nur inszeniert, sondern auch geschrieben und musikalisch gestaltet hat. Mit fast 100 Millionen Dollar in den USA hat Amenabar dort einen sensationellen Erfolg errungen, der ihm alle Türen in Hollywood öffnet. Bereits 1995 mit `Thesis" und 1997 mit `Abre Los Ojos" (Öffne Deine Augen) bewies der Spanier sein Genie im Genre der Thriller und Gruseldramen. Dafür wurde er mit Preisen überschüttet. Nun ist `The Others" sein erster Film in englischer Sprache und britisch-amerikanischer Koproduktion.

    Amenabar kann mit Nicole Kidman in der Rolle der Mutter Grace einen großen Star des gegenwärtigen Kinos aufweisen. Aber mehr noch zählt, wie glaubwürdig, wie besessen Kidman diese strenge, jegliche Sinnlichkeit und Lebensfreude erbittert bekämpfende und doch zutiefst ersehnende Frau spielt. Die Australierin kann mit dieser Leistung als heiße Anwärterin auf den Oscar gelten.

    Hervorragend auch Kameramann Jevier Aguirresarobe, dessen düstere Bilder im und um das Herrschaftshaus eine beunruhigende Grundstimmung erzeugen, die den Einsatz geläufiger Knalleffekte fast unnötig machen. Auf die kann Regisseur Amenabar schon deshalb verzichten, weil er genau weiß: Die schauerlichste Wirkung erzielt noch stets das, was in kalkuliert aufregender Weise nicht gezeigt wird, um den Film im Kopf des Betrachters ablaufen zu lassen. Der junge Regisseur hat seine in `The Others" eindrucksvoll realisierte Überlegung treffend formuliert: `Etwas der Fantasie überlassen, darin liegt für mich die Essenz von Angst, Besessenheit... Erwecke sie, und du wirst den Zuschauer zurück in die finstersten Ecken seiner Kindheit transportieren, hin zu seinen Urängsten."

    Wolfgang Hübner, AP

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