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  • Kritik: "Diabolisch"

    Kein teuflisches Spiel, sondern pures Kalkül war es wohl, warum sich Hollywoodregisseur Jeremiah Chechik ("Benny Joon") ausgerechnet jenen Films bediente, der gemeinhin als Meisterwerk gilt: Henri-Georges Clouzots Psychothriller "Die Teuflischen".

    Das 1954 in Schwarzweiß gedrehte und folgenreiche Mordkomplott zweier Frauen hat auch nach mehr als 40 Jahren nichts von seiner inszenatorischen Raffinesse verloren. Doch Chechik begründete seine "Neuauflage" damit, daß das Original inzwischen Staub angesetzt hätte und eine Aktualisierung vertragen könne.

    Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch zum einen hält Clouzot die Meßlatte fast unerreichbar hoch, zum anderen dienen "Die Teuflischen" nicht mit einem Happy-End. Was man wiederum dem positiv programmierten amerikanischen Kinogänger schwer zumuten kann. Und so kommt es, wie es kommen mußte: Chechiks Adaption geriet zwar zu einem stilgenauen und streckenweise leidlich spannenden Krimi (sofern einem die Handlung fremd ist), doch er bietet bis auf das entschärfte und nun biedere Ende leider nur einen Abklatsch.

    Geschildert wird die Beziehung zweier unterschiedlicher Frauen, die wirklich nur eines gemeinsam haben: die Haß-Liebe zum diktatorischen Schulleiter Guy Baran (über und unter Wasser unterfordert: Chazz Palminteri).

    Mia, die zerbrechliche, herzkranke Ehefrau (auf Leidensfiguren abonniert: Isabelle Adjani) und Nicole Horner (zwischen Vamp und Amazone: Sharon Stone), die Geliebte des Tyrannen, beschließen eines Tages, den selbstherrlichen Sexprotz ins Jenseits zu befördern. Mit Alkohol und Tabletten in den Tiefschlaf versetzt, wird Baran mühsam in die randvolle Badewanne gehievt und untergetaucht und später - um die Tat zu verschleiern - in den Swimmingpool der Schule gerollt.

    Doch schon wenige Tage nach der Tat scheint jemand mit den Killer-Ladies ein Katz-und-Maus-Spiel zu spielen: Erst verschwindet die Leiche, dann mehren sich die Anzeichen, daß Baran noch am Leben ist. Der zartbesaiteten Mira springt vor Nervosität fast das Herz aus der Brust, während Nicole die kühle Blonde mimt. Zu allem Überfluß tritt auch noch eine Polizistin (wadenbeißerisch: Kathy Bates) auf den Plan, die mit ihren permanenten Zweideutigkeiten der Verwirrung die Krone aufsetzt.

    Während spätestens ab hier Clouzot mit dem Zuschauer ein maliziöses, hintergründiges Spiel treibt, dessen schockierende Auflösung noch lange in der Erinnerung bleibt, geht es Chechik nur um Effekthascherei, verwandelt er das Finale in eine nächtliche Wasserschlacht mit Hauen und Stechen, bei der die Gerechtigkeit den Sieg davonträgt und das Gesetz ein Auge zudrückt.

    Damit weicht dann endgültig die mühsam aufgebaute Spannung einem Gefühl peinlicher Berührtheit. Und der Verdacht erhärtet sich, daß sich über dieses plattgewalzte Remake der Staub der Filmgeschichte bedeutend schneller legen wird als über das Original, das dafür in neuem altem Glanz erstrahlt.

    Diabolique, USA 1996: 107 Minuten. FSK: frei ab 16 Jahren. Regie: Jeremiah Chechik. Darsteller: Isabelle Adjani, Chazz Palminteri, Sharon Stone, Kathy Bates, Spalding Gray, Allen Garfield.

    Copyright: , 9.5.1996

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