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  • Kritik: Deutsches Wasserdrama ohne Haie und Nervenkitzel

    Es schwimmen sechs Menschen auf hoher See und haben vergessen, an ihrer Yacht die Bootsleiter herunterzulassen - wie kommen sie wieder an Deck? Mit dieser Rätselaufgabe ist schon die ganze Handlung des Films «Open Water 2» von Hans Horn beschrieben.

    Die deutsche Produktion leiht sich den Titel von dem «Hai-frisst-Mensch»-Horrorfilm «Open Water» - doch haben beide Streifen nur das Wasser gemeinsam. Der an der Hochschule für Fernsehen und Film München ausgebildete Werbefilmer Horn spielt in diesem Low-Budget-Dreh nur mit der Angst vor einem möglichen Haiangriff.

    Trotz Blut...

    er Zuschauer wartet, aber der Hai kommt nicht, obschon zwischen den sechs Akteuren - Amy, James, Zach, Lauren, Michelle und Dan - auch viel Blut ins blaue Meer fließt. Die Leistung der amerikanischen Schauspieler, von denen bisher einige allenfalls aus US-Fernsehserien bekannt sind, ist nicht weiter der Rede Wert. Dennoch sollen die jungen Amerikaner helfen - wie der Titel -, das wohl als Thriller gedachte Wasserdrama international in die Kinos zu bringen. Die sechs Freunde um die 30 treffen sich zu einem Ausflug mit einer Luxusyacht.

    Laut Drehbuch (Adam Kreutner) spielt die Handlung vor der mexikanischen Küste, doch war das Set um Kameramann Bernhard Jasper, der in Ludwigsburg an der Filmakademie Baden-Württemberg studierte, in Malta im Einsatz. Hier steigen alle aufs Boot, Alkohol fließt. Nur Amy (Susan May Pratt) passt nicht so richtig in die lustige Runde, sie ist gerade Mutter geworden, der Säugling liegt in der Kajüte. Was aber viel schwerer wiegt, ist Amys Kindheitstrauma: Als Kind sah sie ihren Vater ertrinken und hat seither Angst vor dem Wasser.

    Nicht mit viel Grips gesegnet

    Warum sich Amy dennoch auf die Tour einlässt, bleibt eine der vielen offenen Fragen dieses Kammerspiels. Während schon vier im Wasser sind, ist Amy nur noch mit ihrer kleinen Tochter und dem Lebemann und Schönling Dan an Bord. Dan will sie von ihrem Trauma heilen und springt mit ihr ins Wasser. Es folgt eine Aneinanderreihung des Vorhersehbaren: Die allesamt mit sportlichen Körpern, aber nicht mit viel Grips Gesegneten verzweifeln zunehmend zwischen ihren Versuchen, am glatten Schiffsrumpf wieder an Deck zu kommen.

    Verzweifelte Suche nach Überraschungen

    Dass der Zuschauer in den handlungsarmen 90 Minuten doch irgendwie dabei bleibt, mag wohl vor allem am Warten auf den Hai liegen und daran, dass die meisten Protagonisten sterben. Unfreiwillig komisch sind dabei immer wieder die Dialoge und die Ideen sich zu retten. Da fallen absurde Sätze wie: «Er muss ins Krankenhaus, aber schnell», und es werden Bikinis und Badehosen zu einem Seil geknüpft. Dem Drehbuch ist die verzweifelte Suche nach Überraschungen anzumerken, etwa wenn Sonnyboy Dan (Eric Dane) plötzlich gesteht, dass ihm die Yacht nicht gehört und er auch keinen Bootsführerschein hat.

    Einfälle bei Film- und Kameratechnik

    Abwechslung bieten zuweilen Horns und Jaspers Einfälle bei Film- und Kameratechnik - aus finanziellen Gründen beschränken sie sich auf 16 Millimeter - statt des sonst im Kino üblichen 35-Millimeter-Filmmaterials. Eine Handkamera vermittelt hautnah das Gefühl des Ertrinkens, es gibt extreme Zeitlupen und Zeitraffer, die Szenen im Super-8-Stil ablaufen lassen, und es gibt Unschärfeeffekte. Damit hätte aus der Geschichte ein wunderbarer Kurzfilm werden können, doch so geht die Story mit Geld der Filmförderung Bayern fast selbst baden.

    dpa

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