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  • Kritik: Deutsches Drama um Schuld und Sühne

    Ausgerechnet am Weihnachtsabend kommen die Schrecken der Vergangenheit zurück. Drei alte jüdische Männer, Überlebende des Holocaust, werden nach über 40 Jahren mit dem entsetzlichen Grauen konfrontiert, das sie nur zufällig überlebt haben.

    Kann es Rache geben für Verbrechen, die jede Vorstellungskraft übersteigen? Um diese Frage kreist das bitterböse deutsche Drama "Epsteins Nacht", ein Diskurs über Schuld und Sühne, von dem Regisseur Urs Egger ("Opernball") als kompaktes Kammerspiel inszeniert.

    Der Anfang ist komisch: Drei Juden und ein Weihnachtsbaum

    Weihnachten 1985 in Berlin. Frotzelnd schleppen Jochen Epstein (Mario Adorf), Adam (Bruno Ganz) und und Karl Rose (Otto Tausig) einen Tannenbaum in die Wohnung der Brüder Rose, wo eine prächtige Feier stattfinden soll. "Die Leute glotzen schon. Drei Juden mit einem Weihnachtsbaum", spottet Karl, der angesehene Anwalt. Das Lachen wird ihnen bald vergehen. Katharina (Josephina Vilsmaier), die Tochter ihrer Haushaltshilfe Paula (Nina Hoss), singt im Kinderchor. Jochen und Adam haben sich bereit erklärt, die Kleine in die Christmesse zu begleiten. Da sitzen die beiden Überlebenden aus dem KZ Birkenau nun zwischen frommen Christenmenschen in der Kirche - und dann gehen ihnen die Augen über.

    Ist der Pfarrer ein SS-Mann?

    Jochen Epstein meint, in dem Gemeindepfarrer Groll (Günter Lamprecht) seinen Peiniger, den SS-Mann Giesser zu erkennen. Der völlig irritierte Mann flüchtet konsterniert zusammen mit Karl und dem Mädchen aus der Kirche. Zuhause beratschlagen die Männer, ob es sich um eine Täuschung handeln kann. Schreckliche Ungewissheit nagt an ihnen. Es wird eine bleierne, gar nicht stille Weihnachtsnacht. Schließlich fährt Epstein in seine Wohnung zurück, fällt in einen unruhigen Schlaf, bis im Morgengrauen der verzweifelte Karl Rose anruft. Sein Bruder Adam ist verschwunden und die Pistole aus dem Schreibtisch auch. In höchster Eile machen sich die beiden auf den Weg zurück zur Kirche, wo Adam bereits mit gezückter Waffe dem vermeintlichen Verbrecher Groll gegenübersteht.

    Spitzendarsteller im engen Korsett der Rolle

    Diese albtraumartige Geschichte bleibt bis zum tragischen Ende hin spannend. Ist Groll wirklich der SS-Mann, oder handelt es sich um ein tragisches Missverständnis? Auf diese Frage spitzt Urs Egger seine bitterböse Weihnachtsgeschichte zu. Die hochkarätigen Darsteller allerdings können im rigiden Korsett dieser ganz auf Dramatik setzenden Inszenierung ihr Können immer nur kurz aufblitzen lassen. Mario Adorf darf die Ambivalenz von Rache und Zweifel nur andeuten, Bruno Ganz wirkt hoffnungslos unterfordert, und auch der ganz wunderbare 80-jährige Wiener Schauspieler Otto Tausig hat nie die Zeit, seinen herrlichen Mutterwitz und Galgenhumor wirklich auszuspielen.

    Unbeholfene Rückblenden

    Unbeholfen wirken zudem die Rückblenden, mit denen das Erlebte lediglich illustriert wird. Da glitzert entweder in Kitsch- Postkarten-Ästhetik ein frühes Liebesglück auf, oder die Schrecken von Birkenau werden in dröhnend bleiernen Schocksequenzen beschworen.

    Johannes von der Gathen, dpa

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