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  • Kritik: Deutsche Komödie mit lauen Gags

    Den drei Möchtegerngaunern ist, soviel ist gleich am Anfang klar, eigentlich noch nie ein Coup gelungen: Dortmunder, der Boss, Kelp, der Ideengeber, und Mörsch, der Autoknacker, haben versucht, einen Hotelsafe zu knacken und sitzen jetzt in schwindelerregender Höhe in der Fensterputzergondel fest. Immerhin schaffen sie es, der Polizei zu entkommen.

    Danach fällt Kelp ein Buch mit dem Titel "Jimmy the Kid" in die Hand, in dem es um die gewaltlose Entführung eines kleinen Jungen geht. Genau so wie die Romanhelden wollen sie es auch machen.

    Das Opfer der Entführung nach Buch ist bald gefunden: Die Millionärstochter Jenny Beckmann wird täglich in einem 600er Mercedes auf derselben Strecke gefahren. Die Gauner stellen dem Chauffeur eine Falle. Das Mädchen bringen sie mit Hilfe von Mörschs Mutter, die Taxi fährt, und von Dortmunders Freundin Charlie zum Versteck. Dann nehmen sie Kontakt zum Vater auf und fordern fünf Millionen Mark in bar.

    Was sich dann abspielt, steht nicht im Buch. Jenny ist viel schlauer und gewitzter als sie alle zusammen. Sie kann sich mit einem Trick befreien, das Taxi kurzschließen und wegfahren. Weit kommt sie aber nicht; aus Angst vor einer Kuh kehrt sie zu ihren Entführern zurück. Da hat sie es nun richtig schön: Mutter Mörsch verwöhnt sie mit leckeren Bratkartoffeln, Dortmunder schenkt ihr ein Taschenmesser, und seine Freundin Charlie, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, ist ganz aus dem Häuschen vor Liebe zu der Kleinen.

    Bald fühlt sich die verwöhnte aber emotional vernachlässigte Göre bei den Gangstern wohl. Als eine Geldübergabe vom Sondereinsatzkommando der Polizei vermasselt wird, übernimmt Jenny die Regie; sie will nicht, daß ihre neuen Freunde gefaßt werden.

    An der Krimiparodie wirkt fast alles zu aufgesetzt. Komisch gemeinte Einfälle wie die Konstellation, daß einer der Gauner immer seine Mutter dabei hat, zünden nicht. Inmitten der Schar von weitgehend realistisch angelegten Filmfiguren fällt Kelp aus der Rolle; Rufus Beck übertreibt mit Nadelstreifenanzug und Hut sowie überakzentuierter Schauspielerstimme den Slapstickstil bis zur Knallcharge.

    Dagegen kommen Herbert Knaup als Dortmunder und Roman Knizka als Mörsch völlig ohne Mätzchen aus. Knaup schafft einen glaubwürdigen Charakter zwischen dem Anspruch, Boss zu sein, und der Schwäche, die aus seinen begrenzten geistigen Fähigkeiten resultiert. Christiane Hörbiger wiederum nimmt wohl niemand die Taxifahrerin aus dem Ruhrgebiet ab.

    Wirklich witzig ist Wilfried Hochholdinger mit seinem markigen Überheblichkeit als Leiter des Sondereinsatzkommandos. Die Darstellerin von Jenny, Sophie Moser, ist ein hochbegabtes musikalisches Talent. Als Schauspielerin wirkt sie vor allem altklug. Wolfgang Dickmann ist ein erfahrener Fernsehkrimi-Regisseur. Auch "Jimmy the Kid" wäre besser im Fernsehen aufgehoben.

    Inge Treichel, AP

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