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  • Kritik: Des Alltags komische Seite

    Die Familiengeschichte könnte in jeder westlichen Großstadt dieser Zeit angesiedelt sein. Aber da Regisseur Jesper Nielsen Däne ist, hat er seine Tragikomödie "Okay" in Kopenhagen gedreht. Von der Großstadt sieht der Kinobesucher jedoch nicht viel, sie bildet lediglich das urbane Umfeld für den mal banalen, mal heiteren, mal dramatischen Alltag.

    Nielsen dringt weder ein in die skandinavische Seele, noch hat er sich verirrt in eine lähmende Sozialstudie. Vielmehr ist es ihm gelungen, die komische Seite des alltäglichen Trotts zu beleuchten, der gerade durch die plötzliche Nachricht von der tödlichen Krankheit eines Familienmitglieds an zusätzlicher Komik gewinnt.

    Nete (Paprika Steen) ist eine selbstbewusste Frau Mitte dreißig. Als Sozialarbeiterin hat sie die schwierige Aufgabe, Arbeitslose wieder ins Erwerbsleben zu führen. Auch zu Hause muss sie sich vielen Herausforderungen stellen. Ihre pubertierende Tochter Kathrine (Molly Blixt Eglind) entwickelt sich zu einem rebellischen Teenager. Netes Ehemann Kristian (Troels Lyby) ist ein verhinderter Schriftsteller, der sich mit einem Halbtagsjob als Literaturdozent an der Uni durchschlägt.

    Der Großvater zeigt zum Sterben wenig Lust

    So könnte es ewig weiter gehen, wenn das Leben nicht einige Überraschungen bereithielte. Eines Tages erkrankt Netes Vater (Ole Ernst) schwer. Der Arzt rechnet damit, dass ihm nur noch drei Wochen bleiben. Darauf entschließt sich Nete, den störrischen Alten zu sich nach Hause zu holen. Der Vater zieht mit Sack und Pack und allen seinen Zimmerpflanzen in die bescheidene Wohnung seiner Tochter. Doch zum Sterben zeigt er wenig Lust.

    Zwar sucht sich der ehemalige Schreiner den teuersten Eichensarg aus. Aber drei Wochen vergehen, und der Zustand des Alten verbessert sich sogar. Seine Wohnung hat er inzwischen gekündigt, und er sorgt für reichlich Wirbel. Er hat das Schlafzimmer okkupiert, weil ihm der "Schuhkarton", in dem sein Schwiegersohn schreibt, zu klein ist.

    Trockener Witz und beißende Komik prägen den Erzählstil

    Regisseur Nielsen ist eine hinreißende Tragikomödie gelungen. Er portraitiert eine Frau, unter deren selbstbewusster Oberfläche eine liebenswerte Person mit all ihre Stärken und Schwächen sichtbar wird. Die Darsteller beeindrucken vor allem durch trockenen Witz und beißende Komik. Für amüsante Momente sorgt auch die Nebenhandlung, in der Netes schwuler Bruder Martin (Nikolaj Kopernikus) zwei Lesben als Leihvater dient.

    Michael Winckler, ddp

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