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  • Kritik: Derbe Filmsatire spielt mit Klischees

    In diesem Film folgt ein politisch unkorrekter Satz auf den nächsten: Borat, ein kasachischer Reporter, ist rassistisch, antisemitisch, sexistisch, schwulenfeindlich.

    «Frauen dürfen nun auch innerhalb des Busses mitfahren und Homosexuelle müssen nicht mehr diese blauen Hüte tragen», preist er den modernen Fortschritt seines Heimatlandes. Kann das witzig sein? Ja, es kann. Darf man lachen? Ja. Wenngleich manches Lachen im Halse stecken bleibt.

    Der Londoner Comedian Sasha Baron Cohen, berühmt geworden mit seiner TV-Figur «Ali G.», deckt mit seiner neuen provokanten Rolle «Borat» Klischees, Vorurteile und die Tücken der Völkerverständigung auf. Dabei bringt er Kasachstan gegen sich auf, stellt aber vor allem die USA in ein denkbar schlechtes Licht.

    Als kasachischer Fernsehjournalist reist Borat Sagdijew quer durch die USA für die «kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen», wie der Untertitel der Doku-Fiction-Komödie lautet. In gebrochenem Englisch und mit osteuropäischem Akzent gibt er Interviews im US-Fernsehen oder nähert sich Bürgern zwecks interkulturellen Austausches in der Metro und auf der Straße an. Die Amerikaner indes schrecken vor den Zärtlichkeiten und Küssen des bärtigen Osteuropäers fremdenfeindlich zurück. Nicht immer ist klar, ob die Szenen echt oder getürkt sind, mag man doch kaum glauben, was da passiert.

    Eine Gruppe Feministinnen («Hör zu, Pussycat!») bringt Borat gegen sich auf, als er fassungslos nachfragt, ob es wahr sei, dass Frauen sich in den USA aussuchen dürften, mit wem sie Sex hätten. Einen Autoverkäufer fragt er, ob das Auto kaputt geht, wenn man damit «richtig hart» in eine Gruppe Sinti und Roma fährt. Beim feinen Knigge-Diner gibt sich Borat als jemand aus, der nicht weiß, wie die Klospülung funktioniert: Er bringt seine Fäkalien in einer Plastiktüte mit an den Esstisch. Gleich darauf klingelt eine schwarze Prostituierte, die er zum Diner geladen hat. Hier platzt den Gastgebern der Kragen.

    Unzählige solcher schockierenden, unfassbaren Szenen enthält der Film, der an die Politsatiren von Michael Moore anknüpft. Oft weiß man nicht, ob man über Borat lachen, über die leichtgläubigen US-Bürger den Kopf schütteln oder über die Unverfrorenheit des kasachischen Reporterteams staunen soll.

    Die Figur «Borat» feiert im Westen Erfolge, unter anderem bereits bei Auftritten während der MTV-Music-Awards und in Cohens Kultshow «Ali G.». Aus dem Osten, insbesondere aus Kasachstan, erntet der Film dagegen heftige Kritik. Die kasachische Regierung und Abgesandte empfinden den Film des Komikers als Affront. Die Schmerzgrenze des Spaßes werde überschritten. Vertreter der Sinti und Roma in Deutschland wollten den Start verbieten.

    Borat selbst aber lässt sich auch hierbei nicht aus der Ruhe bringen und bleibt seiner Rolle treu: Er stimmt zu, den «Juden» Sasha Baron Cohen zu verklagen. Witze über Juden gehören zu den Favoriten des kasachischen Reporters. Sein Darsteller, der Brite Cohen, ist selbst Sohn jüdischer Eltern. Der 35-Jährige hat sich in England als Kämpfer gegen Rassismus und Diskriminierung hervorgetan.

    Mit seinem radikalen Humor zeichnet Cohen, wenn man genauer hinsieht, kein Schreckensbild Kasachstans, ein Land, das er völlig überspitzt karikiert. Vielmehr deckt der Komiker rassistische und sexistische Ressentiments des Otto-Normal-Verbrauchers in den USA auf. Die US-Bürger kommen in dem Doku-Ulk als naive und fremdenfeindliche Chauvinisten ziemlich schlecht weg.

    Susanne Schmetkamp, dpa

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