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  • Kritik: Der Zufall spielt die Melodie

    Die immer wieder reizvolle Frage: "Was wäre aus einem Leben geworden, wenn..." hat der Berliner Filmemacher Tom Tykwer in seinem Erfolgsfilm "Lola rennt" kürzlich so originell wie rasant durchgespielt. Nun kommt ab dem 19. November mit dem britischen Streifen "Sie liebt ihn - Sie liebt ihn nicht" ein andere Variante der Beantwortung dieser Frage auf die deutschen Leinwände.

    Und es ist nicht zu leugnen, daß dieses Regie- und Drehbuchdebüt von Peter Howitt eleganter gespielt, raffinierter konstruiert und mehr zu Herzen gehend ausgefallen ist als Tykwers vor Knalleffekten fast platzende Berserkerarbeit.

    Howitt erzählt die zwei Geschichten einer jungen Frau in London: Einmal diejenige, zu deren Beginn die sympathische blonde Helen eine U-Bahn verpaßt und gerade deswegen ihr Glück findet. Zum anderen sehen wir aber auch jenen anderen Verlauf, in dem Helen sich gerade noch in die Zugtür zwängen kann und einem tragischen Geschick entgegeneilt. Mit leichter Hand sind in den 98 Filmminuten diese beiden Möglichkeiten eines Lebensverlaufs verschränkt, laufen parallel und machen bewußt, an welch seidenem Fädchen das hängt, was wir Schicksal zu nennen pflegen.

    "Sie liebt ihn - Sie liebt ihn nicht" zeigt das nicht belehrend oder verwirrend, sondern bewundernswert locker. Dieser Film respektiert seine Figuren ebenso wie den Zuschauer. Dem wird gewiß im Laufe der Parallelhandlung etwas mehr Aufmerksamkeit als meist üblich abverlangt. Doch er wird reich belohnt, insbesondere durch den bislang besten Auftritt der langbeinigen Amerikanerin Gwyneth Paltrow als Helen in beiden Variationen. Die junge Schauspielerin zeigt eine verblüffende Verwandlungsfähigkeit und ist zweifellos die Seele des Films. Regisseur Howitt weiß, was er an ihr hat: "Sie war sofort von der Rolle begeistert und hat für den Film andere Angebote abgelehnt, für die sie sogar viel höhere Gagen hätte verdienen können."

    In dem dunkelhaarigen Schotten John Hannah hat Paltrow einen attraktiven Partner. Hannah spielt einen unkomplizierten, gleichwohl sensiblen jungen Mann namens James, dem Helen in der ersten Version der Geschichte nur am Anfang und Ende begegnet, von dem sie in der anderen Version aber schließlich sogar ein Baby erwartet. Paltrow und Hannah sind nicht nur ein schönes, sondern auch ein interessantes Paar, dem man gerne beim Flirten zuschaut. John Lynch als Helens untreuer Ehemann Gerry, Jeanne Tripplehorn als seine Geliebte Lydia runden das vorzügliche Ensemble mit ihren Leistungen ab.

    Das größte Kompliment muß aber Peter Howitt gemacht werden, als Schauspieler schon ein bekanntes Gesicht in der britischen Film- und TV-Szene. Bewundernswert meisterhaft versteht er es in seiner ersten Arbeit hinter der Kamera, zwei Filme in einem zu präsentieren. Howitt hat um seine Geschichte, sein Drehbuch gekämpft und das Glück gehabt, in dem renommierten Oscar-Regisseur Sydney Pollack einen Produzenten gefunden zu haben, der die Qualität des Stoffes erkannte. Das Resultat ist einer der sympathischsten Filme des Jahres - Unterhaltungskino, wie es sich das Publikum nur wünschen kann.

    Wolfgang Hübner, AP

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