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  • Kritik: Der Weg ist das Ziel:

    Einst gingen allein stehende Frauen ins Kloster, meist unfreiwillig. In Doris Dörries neuem Film gehen die Frauen weg und die Männer gehen ins Kloster: Freiwillig. Allerdings handelt es sich nicht um irgend eine Klause, sondern um ein buddhistisches Kloster im fernen Japan. Mit dem Mut der Verzweiflung hängt sich Uwe, der gerade von seiner Frau und den drei Kindern verlassen wurde, an seinen Bruder Gustav, der im Begriff steht, die Reise nach Japan anzutreten.

    Uwe ist ein bodenständiger Küchenverkäufer, und so bemerkt er auch nicht, dass der Aschenbecher, in dem er seine Zigarette ausdrückt, Gustavs liebevoll gehegtes Bonsai-Kiesgärtchen ist. Gustav verkneift sich den Tadel: der Feng-Shui-Experte richtet nicht nur die Wohnungen seiner Kunden so ein, dass das Glück bringende "Chi" ungehindert "fließen" kann. Als Zen-Anhänger ist er zugleich zu größter Gelassenheit fähig. Zumindest theoretisch: der Praxistest erfolgt erst während ihrer Reise, die von Pannen begleitet ist.

    Doris Dörrie hat mit ihrem neuen Werk "Erleuchtung garantiert" einen dokumentarischen Spielfilm gedreht, der sich mit der Erprobung ostasiatischer Lebenskunst befasst. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Odyssee der Brüder als Satire zu gestalten und Gustav, den Umstandskrämer und Sprücheklopfer als überforderten Hektiker vorzuführen. Dörrie wählte einen anderen Weg. Und wohl nicht nur, weil sie sich selbst manchmal in ein buddhistisches Kloster zurückzieht: sie nimmt Gustav, den verblendeten Philosophen, nur sanft auf die Schippe.

    Wie staunende Kinder lässt sie die Brüder in Tokio, der ersten Station der Reise, umher irren. Statt auf schnelle Gags und scharfen Witz setzt sie auf realistische Situationskomik, die aus genau beobachteten Alltagsdetails entspringt: Eine riesige Straßenkreuzung mit Menschen wie Ameisen, in denen Uwe und Gustav sich prompt verlieren. Ein Hofbräuhaus, in dem auf japanisch die Reeperbahn besungen wird. Schöne, skurrile Szenen über die Fremdheit des Vertrauten, die einem deshalb so sehr in ihren Bann ziehen, weil sie nur mit einer handlichen Digitalkamera gefilmt werden und deshalb ganz unmittelbar und authentisch wirken.

    Denn auch Doris Dörrie hat die Vorzüge des puristischen Dogma-Stils erkannt und mit einem nur siebenköpfigen Filmteam gedreht. Die Einfachheit der Mittel und die Abwesenheit von Musik wirkt befreiend. Sie unterminiert die schwermütige Bedeutungshuberei, wie sie frühere Dörrie-Filme oft so anstrengend machten. Um aber den Eindruck von Dilettantismus zu vermeiden, erfordert diese Arbeitsweise auch eine konzentrierte Dramaturgie und ein stimmiges Tempo, das aber spätestens im dritten Teil des Films ganz aus dem Takt gerät. Mit der Ankunft der beiden im Kloster wird es sehr langatmig, trotz der gut gelaunten Mönche, die sich selbst spielen.

    Der ritualisierte Tagesablauf zeigt Uwe und Gustav wiederholt beim ausgiebigen Beten und akribischen Putzen. Sicher bereitet es Wohlgefallen, Männer Böden schrubben zu sehen. Doch das Pseudo-Dokumentarische wird hier zur Falle, indem es allzu offensichtlich erbauliche Botschaften transportieren soll. Und es zeigt sich, dass die scheinbar lockere Selbsterfahrungskomödie in einem allzu fest gezurrten Korsett steckt: These, Antithese, Synthese. Von unfreiwilliger Komik zeugt Dörries bitterernste Aussage, dass sie "viel radikaler" als die Dogma-Filmemacher gewesen sei. Dogmatischer Zen, da kann Buddha doch wirklich nur lachen.

    Birgit Roschy, AP

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