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  • Kritik: "Der Unfisch" - ein modernes Märchen

    Ein verschlafenes Bergdorf in Österreich im Jahr 1968: Auf dem Dorfplatz steht ein riesiger Wal - eine begehbare Spektakelmaschine eines fahrenden Schaustellers. Dieser hatte einen Herzinfarkt, und nun kommt seine zauberhafte Nichte Sophie Moor (Maria Schrader), um ihr Erbe anzutreten. In dem Wal schlummern verborgene Kräfte. "Der Unfisch", so der Titel des Films von Robert Dornhelm, erfüllt Wünsche.

    Auf den Stufen zur Kirche sitzt ein versetzter Bräutigam und schmollt. Aus Neugierde hilft er der bildhübschen Erbin, den Wal zu öffnen. In der Wunderwelt im Innern des Wals werden sie von seinem Zauber ergriffen, Karl und Sophie lieben sich. Karl (Andreas Lust) aber wünscht sich seine Maria (Eva Herzig) zurück, die zwischen ihrer Liebe zu ihm und dem Geld des Porschefahrers Landauer hin- und hergerissen ist. Als Karl sich seine Hose zuknöpft, steht Maria plötzlich draußen vor dem Wal und weiß nicht, wie ihr geschah.

    Nur Sophie hat eine Ahnung und will das Wunder ergründen - ausgerechnet mit dem Landauer, dem reichen und selbstgefälligen Hundezüchter. Im Augenblick seines Höhepunkts betritt plötzlich Maria den Wal, und er verwünscht sie in einen Hund. Sein Wunsch wird erfüllt. Sophie, mit schlechtem Gewissen, will alles rückgängig machen und berichtet dem Bürgermeister von dem Mißgeschick. Er möge doch bitte mit ihr schlafen, um Maria zurückzuverwandeln. Der Bürgermeister glaubt ihr die Geschichte nicht, ist aber ganz und gar nicht abgeneigt. Bald spricht sich der Zauber des Wals im Dorf herum, und damit nimmt das Unglück erst so richtig seinen Lauf...

    Regisseur Dornhelm, der auch schon in Hollywood arbeitete und jahrelang mit dem Wunderwal-Projekt schwanger ging, gelingt das Kunststück, die aberwitzige Idee in eine nachdenkliche und doch urkomische Komödie zu verwandeln. Wer aber angesichts der Geschichte meint, seine niederen Instinkte auf geschmackvolle Weise befriedigen zu können, wird enttäuscht aus dem Kino heimgehen. Der Zuschauer muß sich auf die liebevoll (über)-zeichneten Charaktere einlassen, dann verzaubert das moderne Märchen von selbst.

    Herausragend setzt Dornhelm Maria Schrader ein. Allein ihr Auftritt, ganz die elegante Dame allein in einem Linienbus - diese Szene hat mehr Sex als mancher Softporno.

    Der Film ist bis ins letzte durchdacht. Die Geschehnisse greifen auf eine Art ineinander, wie sie nur ein großer Erzähler miteinander verweben kann. Wenn es eine Moral in der Geschichte gibt, dann die, daß auch die heilste Welt durch Schlechtigkeit und Egoismus an den Rand der Zerstörung gebracht werden kann. Aber selten ist eine Moral so unterhaltsam verpackt worden. Trotz aller Tragik überkommt den Zuschauer eine gelöste Heiterkeit, wenn er das Treiben im Dorf beobachtet. Störend wirkt nur der Erzähler, dessen Stimme im Stil eines Märchenonkels vieles sagt, was ohnehin zu sehen ist.

    Norbert Aschenbrenner , AP

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