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  • Kritik: Der Traum vom Türmen

    ie schon bei "Pocahontas" setzen die Disney-Studios auch bei ihrem diesjährigen Weihnachtsfilm weniger auf Humor als auf Herz-Schmerz. Schließlich ist auch der Literaturklassiker, der den Micky-Maus-Multis dabei als Vorlage diente, eher düsterer Natur: Victor Hugos "Der Glöckner von Notre Dame". Dennoch (oder gerade deshalb) entpuppt sich der Film als bestes Disney-Werk seit Jahren - vom unschlagbaren Unikum "Toy Story" einmal abgesehen.

    Mit der Geschichte von Quasimodo gelang den Pinsel-Virtuosen über weite Strecken die heikle Gratwanderung, für die tragische Figur Mitleid zu wecken, ohne die Rührseligkeit in Gesülze abgleiten zu lassen. Dabei bleibt der Film, anders als Disneys bisherige Klassiker-Bearbeitungen, sehr dicht am Roman:

    Frollo, der finstere Tyrann, adoptiert Quasimodo, das Baby einer Zigeunerin, die er töten ließ. Doch anstatt das mißgestaltete Kind in sein Haus aufzunehmen, versteckt er es im Glockenturm von Notre-Dame. Hier wächst Quasimodo heran und ist nach Jahren der Isolation so einsam, daß er sogar mit den Steinfiguren spricht, die die Kathedrale zieren. Als er eines Tages sieht, wie die schöne Zigeunerin Esmeralda auf dem Kirchenplatz hingerichtet werden soll, verläßt er sein Versteck, rettet sie - und beginnt so eine offene Rebellion gegen seinen Peiniger Frollo. Was den Buckligen treibt, ist seine Liebe zu Esmeralda. Doch die liebt den ansehnlichen Soldaten Phoebus...

    Für die ganz jungen Zuschauer ist das vielleicht etwas zu finster, zumal es bei Disney (wie im Buch) kein klassisches Happy-End gibt. Alle Kids ab zehn und vor allem ihre Eltern werden allerdings bestens bedient. Selbst die Songs des Hauskomponisten Alan Menken klingen diesmal nicht wie eine enthemmte Toys-'R'-Us-Spieluhr, sondern wuchern mit gotischen Klangschauern und gregorianischen Chören.

    "Der Glöckner von Notre Dame" ist einfach schön: Ein wenig schwermütig, ein bißchen morbide, aber nicht ohne Witz - vor allem in den Eskapaden der drei steinernen (und dennoch quietschlebendigen) Wasserspeier Victor, Hugo und Laverne. Unfreiwillig komisch ist dagegen der zeichnerische Mut der Macher: Nachdem sie bei "Pocahontas" uneingeschränktes Lob dafür ernteten, daß erstmals eine weibliche Disney-Figur einen Busen hatte, ist Esmeralda diesmal arg üppig geraten. Wenn's so weitergeht, sieht die nächste Disney-Lady aus wie Pamela Anderson.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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