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  • Kritik: Der Traum vom kleinen Glück

    Düsseldorf - Der Film "Gott ist tot" des deutsch-türkischen Regisseurs Kadir Sözen hat mit Götz George einen Star-Schauspieler in der Hauptrolle. Der 95-minütige Film ist das Kinodebüt des in Köln lebenden Sözen, der auch das Drehbuch verfasst hat.

    Die Low-Budget- Produktion, für die die Schauspieler auf ihre Gage verzichtet haben, ist eine recht triste Milieustudie mit den Themen Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Sozialhilfe und Vater-Sohn-Konflikt. Im Mittelpunkt steht der Traum vom kleinen Glück im Wohnmobil.

    Nette Metzgerin bringt Fleisch und Brot

    Heinrich Lutter (Götz George) ist arbeitslos und lebt mit seinen beiden Söhnen Mike (Markus Knüfken) und Günni (Bastian Trost) im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Beide brauchen die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Alten. Mike ist vorbestraft und gerade aus dem Knast gekommen, Günni ist geistig behindert. Alle drei sind auf Sozialhilfe angewiesen. Wenn da nicht die nette Metzgerin wäre, die ab und an mit Wurst und Fleisch vorbei kommt, gäbe es vermutlich oft nur Brot mit Margarine bei den Lutters.

    Der einzige Halt für den alten Heinrich ist der klapprige Kleinbus, den er sich liebevoll als Wohnmobil hergerichtet hat. Zusammen mit Günni will er in dem Gefährt irgendwann nach Italien aufbrechen. "Saluti" steht in großen Buchstaben auf der Kühlerhaube des alten Vehikels, und hinten hat Heinrich eine toskanische Silhouette mit Zypressen draufgemalt. Das ganze Alltagselend kann Lutter nur mit seinem kleinen Traum von Freiheit und einem besseren Leben ertragen. "Wenn wir weg sind, sind wir weg", meint er zu seinem Sohn.

    Sozialamt kassiert den Wohnwagen ein

    Doch sein Wohnwagen wird von den Behörden konfisziert. Das Sozialamt ist der Ansicht, der Wagen stelle ein Vermögen dar, das Heinrich nicht gemeldet habe, und streicht ihm einen Teil der "Stütze". Als er daraufhin zu seiner Bank geht, um einen kleinen Kredit aufzunehmen, hört er dort genau das Gegenteil: Die Bank verweigert ihm das Geld und erklärt, der von Heinrich als Sicherheit vorgeführte Wagen stelle kein Vermögen dar.

    Trotzdem lässt sich Heinrich nicht beirren und hält weiter an seiner Überzeugung fest, auf ehrliche Weise sein Recht zu erlangen und seine Vision zu verwirklichen. "Ohne Arbeit funktioniert nichts", sagt er zu Mike und bezahlt einem Automechaniker Geld dafür, dass der den Sohn bei sich arbeiten lässt. Doch Mike hat anderes im Sinn. Um alte Schulden zu begleichen, dreht er noch einmal ein krummes Ding. Als er dem Vater einen Teil seiner Beute zustecken will, ist der entsetzt und schickt Mike zum Teufel.

    Eher ein Fernseh- als ein Kinofilm

    Dazwischen wird viel geprügelt, und es fließt auch Blut. Natürlich ist auch ein bisschen Liebe dabei: Die Metzgerin mag Heinrich, der mag aber sein Wohnmobil viel lieber und seinen behinderten Sohn. Der Film über Armut und Armseligkeit handelt auch von dem Versuch, sich am äußeren Rand der Gesellschaft ein bisschen Würde zu bewahren. Allerdings fragt man sich, ob der Film nicht vielleicht besser fürs Fernsehen als für die große Leinwand geeignet wäre.

    Rudolf Alexander, dpa

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