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  • Kritik: "Der Totmacher":

    Hamburg (dpa). Wäre Götz George ein amerikanischer Filmstar wie Tom Hanks, er könnte sich nach dieser Rolle "Oscar"-Hoffnungen machen. Aber George ist ein deutscher Schauspieler, sein Film "Der Totmacher" ist eine verhältnismäßig kleine Produktion - und so raffiniert ungewöhnlich, daß sie nicht einmal von deutscher Seite zur Nominierung für den Auslands-"Oscar" vorgeschlagen wurde. Für George jedenfalls war der Serienmörder Fritz Haarmann eine besondere Herausforderung und "das Anspruchsvollste, was ich je gemacht habe".

    George spielt Haarmann, jenen homosexuellen Triebtäter, der zur Zeit seiner Hinrichtung 1925 und auch noch einige Jahre danach als "der furchtbarste Mörder des 20. Jahrhunderts" galt. Doch er ist kein Monster in Aktion. Es fließt kein Tropfen Blut. Haarmann ist längst verhaftet und wartet auf sein Urteil. Ein Psychiater soll seine Schuldfähigkeit bestimmen. Der Film zeigt die Gespräche zwischen dem Mörder und seinem Gutachter. Dabei entwickelt die Bestie für den Zuschauer wie ein gefährliches Insekt unter der Lupe menschliche, naive, fast kindliche Züge - irritierend und faszinierend zugleich.

    Der junge Regisseur Romuald Karmakar hat als früherer Dokumentarfilmer ("Warheads") das genaue Hinsehen und Zuhören zu seinem wichtigsten Handwerkszeug gemacht. Sein erster Spielfilm setzt ebenfalls ganz auf präzise Beobachtung: Jedes Wort, jeder Blick, jede Geste, jede Pause ist ein Mosaikstein zum Gesamtbild. Karmakar stützt sich dabei ausschließlich auf die authentischen Gesprächsprotokolle, verzichtet auf jeden dramaturgischen Ballast und hat ein 114 Minuten langes Kammerspiel inszeniert, das keine Sekunde langweilig wird.

    Drei Männer in einem Raum: Haarmann, von schlechten Haftbedingungen gezeichnet, der seriöse Gutachter Prof. Ernst Schultze (Jürgen Hentsch) und der blonde Stenograf (Pierre Franckh in einer stummen, aber starken Rolle). Schultze stellt die Fragen, zunächst aus klinischer Distanz heraus. Dann wird er immer interessierter angesichts dieses gelernten Fleischers, der über zwanzig junge Männer - "Puppenjungs", wie Haarmann sie nennt - bei sich zuhaus angeblich totgebissen, dann fein säuberlich zerlegt und beseitigt hat. Haarmann antwortet, öffnet sich zunehmend und erzählt. Der Stenograf beobachtet und schreibt. Dabei stimmt bei allen dreien jede Nuance im Ausdruck. Die Stimmung schwankt zwischen Grauen und atemloser Spannung, kühler Distanz und Mitleid.

    Götz George hat sein "Schimanski-Image" spätestens mit dem "Totmacher" endgültig abgelegt. Seinem fast beängstigend intensiven Spiel und der sorgfältigen Regie Karmakars ist ein Film zu verdanken, der es sich leisten kann, auf ein banales Urteil und die allzu naheliegende Sensation des Horrors zu verzichten. Aus der Schauergeschichte wird ein Psychodrama, fernab der Gruselmoritat: "Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu dir..."

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