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  • Kritik: Der Stadtneurotiker als gebrochener Genreheld

    Vor 29 Jahren ließ er sich in "Mach's noch einmal, Sam" von Humphrey Bogart Tipps geben, um mit dem Leben und vor allem mit den Frauen besser zurecht zu kommen. In seinem neuen Film "Im Bann des Jade Skorpions" schlüpft Woody Allen selbst in eine typische Bogart-Rolle.

    Er spielt den Versicherungsdetektiv C.W. Briggs, der im New York von 1940 die kompliziertesten Fälle löst, womit er die Herzen des weiblichen Versicherungspersonals im Sturm erobert.

    Texte wie aus einer Screwball-Komödie

    Woody als Frauenheld im Trenchcoat ist natürlich eine amüsante Parodie auf jene Schnüffler, die Bogart so unnachahmlich dargestellt hat. Die neue Rationalisierungsexpertin Betty Ann Fitzgerald vermag nicht so recht Briggs' erotische Ausstrahlung zu erkennen. Sie möchte ihn am liebsten vor die Tür setzen und ein unabhängiges Detektivbüro einsetzen - Outsourcing schon damals.

    Helen Hunt spielt diese harte Lady, und sie parodiert ihre Rolle in "Was Frauen wollen": die Karrierefrau, die smarter, schneller, einfach besser sein will als ihre männlichen Konkurrenten. Zwischen Briggs und Fitzgerald gibt es also Krieg, einen Krieg mit Worten, die geradewegs aus den Screwball-Komödien der Zeit stammen könnten. Erst auf der Geburtstagsfeier eines Kollegen ändert sich für kurze Zeit das Hund-und-Katz-Verhältnis zwischen den beiden. Ein Zauberer (David Odgen Stiers) hypnotisiert sie, und in Trance gestehen sie ihre tiefe Liebe zueinander.

    Dr. Jekyll jagt Mr. Hyde

    Wieder erwacht, können sie sich an nichts erinnern: Der alte Kampf geht weiter. Der Zauberer ruft kurz darauf Briggs an, versetzt ihn mit Hilfe des Codeworts in Hypnose und lässt ihn die Safes ausrauben, die er bei reichen Versicherungskunden installiert hat. Am nächsten Morgen weiß Briggs natürlich nichts mehr von seinen nächtlichen Diebestouren. Prompt wird er eingesetzt, seine eigenen Diebstähle aufzuklären - Dr. Jekyll jagt Mr. Hyde.

    Bei dem anschließenden Verwirr- und Entwirrspiel bekommt Briggs Unterstützung von einer ihn bewundernden Sekretärin (Elizabeth Berkeley) und einer männerverschlingenden Tochter aus gutem Hause (Charlize Theron), einer typischen Film-noir-Figur. Allen gelingt es scheinbar mühelos, die Balance zwischen Spannung und Spaß zu halten. Man fragt sich, wie Briggs das Rätsel lösen wird und ob er und seine liebste Feindin, die eine heimliche Affäre mit dem Chef hat, schließlich doch noch zusammenkommen werden.

    Allen behält seine spezifische Komik

    Es ist schon erstaunlich, wie sich im Lauf der Zeit Woody vom zappeligen Intellektuellen zum gebrochenen Genrehelden gewandelt hat und dabei doch immer auch seine spezifische Komik erhalten hat. Jede seiner Figuren kennt den Gegensatz von Wollen und Können und kann sich an die Erfahrung des Scheiterns erinnern. Nur abgeklärter sind sie mittlerweile geworden und milder mit sich und ihrer Welt. Vielleicht finden wir sie deshalb um so liebenswerter.

    Ein weiteres Kapitel in seinem ironischen Alterswerk

    Als Autor zeichnet Woody Allen nicht mehr den großen gesellschaftskritischen Panoramen im Stil von "Manhattan". Dafür mischt er jetzt souverän die Genres: "Im Bann des Jade Skorpions" ist Film noir, Screwball-Komödie und Horrorparodie, ein weiteres Kapitel in Allens ironischem Alterswerk, das kontinuierlich Jahr für Jahr um einen Film wächst. Und die Fans danken es ihm.

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