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  • Kritik: "Der scharlachrote Buchstabe":

    New Jerusalem heißt der Ort, man schreibt das Jahr 1666. Die Bewohner, aus England nach Amerika ausgewandert, fühlen sich als eine Art "auserwähltes Volk". Doch wo die Sitten am strengsten sind, ist die Lust am größten.

    Ausgerechnet Reverend Arthur Dimmesdale, der Gottes Wort mit Schwert und Faust predigt, muß es sein, in den sich die frisch angekommene Hester Prynne leidenschaftlich verliebt. Und ausgerechnet der flammende Pastor muß die Gefühle der unbeugsamen Frau auch noch erwidern, wohlwissend, daß deren grausam-gestrenger Ehemann Roger bald nachkommen wird.

    Regisseur Roland Joffe ("Killing Fields", "The Mission") hat sich mit Nathaniel Hawthornes "Der scharlachrote Buchstabe" einen Klassiker der amerikanischen Roman-Literatur aus dem Jahr 1850 vorgenommen. An diesem Donnerstag kommt der mehr als zweistündige, 50 Millionen Dollar teure Film in die deutschen Kinos.

    Das aufwendige Kostüm-Melodram fängt ein wenig an wie ein Disney-Märchen. Hollywoods teuerste Schauspielerin Demi Moore - für ihre jüngste Produktion "Striptease" soll sie 12,5 Millionen Dollar kassiert haben - darf als Hester in der Neuen Welt auch in sich selbst eine neue Welt erfahren. Hester, die weder Hexen noch Indianer fürchtet, bezieht etwas außerhalb von New Jerusalem ein verlassenes Haus auf den Klippen, argwöhnisch beobachtet von den bigotten Honoratioren. Bald lassen sich Hester und Arthur (Gary Oldman) treiben. Der Pastor vergißt seine Gebote, und die schöne Frau, daß sie verheiratet ist. Sie gestehen sich die Liebe und vertrauen mehr der Macht ihres verbotenen Glücks als den Gesetzen, die für Ehebruch den Galgen vorsehen.

    Als die Kunde kommt, Hesters Mann (Robert Duvall) sei bei einem Indianerüberfall auf sein Schiff ums Leben gekommen, nehmen die beiden dies als Gottes Segen. Hester muß sich vor den Kleingeistern des Ältestenrates wegen Blasphemie verantworten, wird außerdem schwanger, kommt an den Pranger, weil sie den Kindsvater nicht nennen mag. Fortan hat sie ein gesticktes, scharlachrotes "A" (für Adultery/Ehebruch) zu tragen, und ein amtlich bestellter Trommler geht voran, um die "Moral Majority" des 17. Jahrhunderts zum Anstands-Abstand von der Sündigen zu mahnen. Hesters Hebamme wird indes wegen Hexerei angeklagt, ihr totgeglaubter Ehemann taucht wieder auf, und schließlich greifen auch noch die Indianer an. Nur der Reverend, der sich bis zum Schluß mit Durchhalteparolen über den Gewissenskonflikt hilft, bleibt verschont.

    In den Vereinigten Staaten war "The Scarlet Letter" an den Kinokassen trotz der Starbesetzung ein Flop. Schuld mag die enttäuschend oberflächliche Umsetzung des Buchstoffs sein - mit indianischer Folklore, Hexenzauber und viel mehr Sex and Crime, als die stille Romanvorlage verträgt. Der Film-Arthur erscheint als recht seltsamer Held, ewig hadernd, zwischen Bekennermut und Priestereifer zaudernd. Ein Erlebnis ist Robert Duvall, der als allmählich dem Wahnsinn verfallender Rachegeist Roger Prynne für die Story aus der Klischee-Küche und die mäßigen Darsteller-Leistungen von Demi Moore und Gary Oldman entschädigt.

    Von Alexander Hosch, dpa

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