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  • Kritik: Der nette Netzschwinger

    Als Superman und Batman in die Kinos einschwebten, war die Welt der fliegenden Comic-Helden noch wohl geordnet. Sie kamen aus der Ferne und tobten sich an Orten aus, die Metropolis oder Gotham City hießen. Sie waren perfekt, cool und distanziert.

    Spider- Man hatte schon in der 40 Jahre alten Comic-Vorlage ein anderes Helden-Image: Er war ein pubertierender New Yorker Schuljunge, voller Selbstzweifel und Schwächen. Es mag den unglaublichen Erfolg der "Spider-Man"-Verfilmung in den USA erklären, dass Regisseur Sam Raimi ihm seine Macken gelassen hat. Spider-Man ist ein Kinoheld zum Anfassen, eine Identifikationsfigur.

    Willem Dafoe, der im Film den bösen Widersacher spielt, hat noch eine Erklärung für den Sieg von "Spider-Man" im "Kassenkampf" der Blockbuster, eine politischere. Der Schuljunge Peter Parker, alias Spider-Man, sei ein wenig so wie die Durchschnitts-Amerikaner, sagt er: gutmütig, naiv und völlig verstört, wenn etwas Böses in ihr Leben tritt. Vielleicht resuliert aus dieser Erkenntnis und so mancher filmischen Anspielung auf den 11. September auch die mit Vehemenz vorgetragene Botschaft des Films: "Große Macht bedeutet große Verantwortung."

    In der Comic-Vorlage von 1962 wird der Schüler Peter Parker bei einem Laborbesuch von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen. Danach kann er Fassaden erklettern und mit Netzen Hochhausakrobatik betreiben. Regisseur Raimi hat sich den Kniff erlaubt, seinen Helden im Jahr 2002 von einer genmanipulierten Spinne beißen zu lassen.

    Neue Kräfte locken zum Muskelspiel

    Das Sehenswerte an "Spider-Man" ist, dass auch ein Held erst lernen muss, wie er seine Kraft und Macht einsetzen will - eine Art Wertediskussion. Dass der Teenager Peter (Tobey Maguire), strebergleicher Außenseiter in seiner Klasse, sich erst Mal über dicke Muskeln freut und die angebetete Mitschülerin Mary Jane (Kirsten Dunst) mit einer Luxuskarosse beeindrucken will, gibt dem Film Witz und Charme.

    Für die Läuterung des Jungen muss ein Schicksalsschlag herhalten: Sein geliebter Ziehvater Onkel Ben (Cliff Robertson) wird von einem Autodieb erschossen, Peter hätte es verhindern können. Von diesem Augenblick an kämpft er für das Gute in New York, straft als Spider- Man Schurken ab und rettet Mary Jane aus Schwierigkeiten.

    Erzählt mit Ernst, Heiterkeit und Selbstironie

    Wie im Spiegelbild mutiert zur gleichen Zeit der Firmenboss Norman Osborn (Willem Dafoe) durch einen Laborversuch zum "Grünen Kobold". Aus einem ehrgeizigen Menschen wird Schritt für Schritt ein Massenmörder. Auf einem Surfbrett mit Raketenantrieb saust er durch die Lüfte, lässt Hochhäuser explodieren und versucht Spider-Man auf die dunkle Seite zu ziehen. Das Grundmuster des Films - der Kampf zwischen Gut und Böse - wird durch Beziehungen der Figuren angereichert: Osbors Sohn ist Peters Freund, beide lieben Mary Jane.

    Es ist die Stärke von Raimis "Spider-Man", dass er Comic-Figuren den Raum gibt, auf der Leinwand zu Charakteren zu werden. Am besten füllt Tobey Maguire diese Rolle aus. Er ist Spider-Man, der nette Netzschwinger von nebenan, der mit Ernst, Heiterkeit und Selbstironie gleichermaßen überzeugt.

    Am stärksten wirkt Spider-Man immer noch auf einem Plakat

    Dass "Spider-Man" selbst die zweite Episode von "Star Wars" in der Gunst der US-Publikums überflügeln konnte, mag daran liegen, dass die reichhaltigen technischen Effekte die erzählte Geschichte nicht erdrücken. Sie kann aber auch nur das bleiben, was ihre Vorlage hergibt: Ein Comic ist kein raffinierter Roman. Und als raffinierte Verfilmung ist Raimis "Spider-Man" auch nicht zu bezeichnen, dazu sind die Charaktere zu holzschnittartig und die Action-Szenen zu wenig überraschend. Am stärksten wirkt Spider-Man immer noch auf einem Plakat oder Foto: eine Ikone des Comic.

    Ulrike von Leszczynski, dpa

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