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  • Kritik: "Der Morgen stirbt nie": Rasante Inszenierung und gute Besetzung

    Frankfurt/M (AP) Es ist die wieder die alte Geschichte: Ein Finsterling versucht mit Atomwaffen, die Welt zu erpressen, und es gibt nur einen, der ihn stoppen kann: Bond, James Bond, Geheimagent im Dienste ihrer Majestät, mit der Lizenz zum Töten. "Der Morgen stirbt nie", der am Donnerstag in die Kino kommt, folgt dem bewährten Mustern alter Bond-Filme - und erfüllt damit alle Erwartungen.

    Die Story ist rasant inszeniert und bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, und dem souverän agierenden Pierce Brosnan steht mit Wai Lin (Michelle Yeoh) eines der aufregendsten Bond-Girls seit Jahren zur Seite.

    Der Finsterling, mit dem es 007 diesmal zu tun hat, ist der Medienmogul Elliot Carver (Jonathan Pryce), der von Hamburg aus ein weltweites Zeitungs- und Fernsehimperium steuert. Weil es den Quoten förderlich ist und er mehr Senderechte in Asien braucht, will Carver einen Krieg zwischen Großbritannien und China entfesseln, der sich leicht zum Weltkrieg auswachsen könnte. Unterstützt wird er von seinem Sicherheitschef Stamper (Götz Otto), einem teutonischen Sadisten.

    Keine leichte Aufgabe für Bond, und Pierce Brosnan erledigt sich ihrer in seinem zweiten Auftritt als 007 mit Eleganz und unterkühltem Witz. Ob bei Verfolgungsjagden in einer sowjetischen MIG oder beim Sex mit Carvers Frau Paris (Teri Hachter) - der gebürtige Ire beherzigt die Grundregel jedes guten Bond-Darstellers: Gut aussehen, Haltung bewahren und die schauspielerischen Ambitionen nicht übertreiben.

    An seiner Seite steht die ebenso schöne wie geheimnisvolle Wai Lin. Anders als frühere Bond-Girls ist sie mehr als eine gutaussehende Gespielin des Geheimagenten und durchaus imstande, eine vietnamesische Killergang im Alleingang auszuschalten. In Asien ist Michelle Yeoh, eine ehemalige Miss Malaysia, längst ein Superstar und eine der höchstbezahlten Schauspielerinnen. In Europa und Amerika wäre ihr nach diesem Film gleiches zu können.

    Daß Geheimdienstchef "M" weiblich ist, ist immer noch gewöhnungsbedürftig, auch wenn Shakespeare-Schauspielerin Judi Dench ihre Rolle mit Bravour erfüllt. Wie gut, daß Desmond Llewelyn als "Q" 007 wieder seine tödlichen Spielzeuge liefert - wie in 16 der bisherigen 18 Bond-Filme.

    Die technischen Tricks sind selbstverständlich wieder vom Feinsten - allerdings liegt hier auch die große Schwachstelle des Films. So verliebt waren Regisseur und Produzent in die Möglichkeiten moderner Spezialeffekte, daß die eine Verfolgungsjagd kaum richtig zu Ende ist, bevor schon die nächste beginnt. Zeitweilig verkommt der Film zu einem - zugegebenermaßen beeindruckenden - Actionspektakel a la Bruce Willis oder Arnold Schwarzenegger.

    Einige Szenen spielen in Hamburg, und es wäre schön, wenn Regisseur Roger Spottiswoode die Stadt stärker in die Handlung integriert hätte, statt sie lediglich als Kulisse für ein Hotel zu nehmen, dessen Name mehrmals sekundenlang eingeblendet wird. Überhaupt erreicht das "Product Placement" hier neue, schwindelerregende Höhen. Ob Uhren, Funktelefone, Motorräder oder Wodka - es wird peinlichst darauf geachtet, daß auch der begriffstutzigste Zuschauer Zeit genug bekommt, sich die Markennamen einzuprägen.

    Besonders penetrant ist dies in der Szene, in der "Q" Bond seinen neuen Wagen aus der Produktionen eines bekannten bayerischen Herstellers übergibt. Dabei wiederholt er nicht nur laut und deutlich den Firmennamen, obwohl das Logo ohnehin schon unübersehbar ins Bild gesetzte wurde, auch die Modellnummer wird eigens erwähnt.

    Wer sich davon aber nicht stören läßt, bekommt einen Film der guten alten Bond-Tradition, mit reichlich Knalleffekten, schnellen Autos und schönen Frauen. Auch Sheryl Crow hält mit ihrem Titelsong den Vergleich mit illustren Vorgängern wie Louis Armstrong oder Shirley Bassey problemlos stand. Und wer sich die englische Originalversion ansieht, der kann Bond in gebrochenem Deutsch sagen hören: "Laß Dick nick verarschen."

    Von AP-Korrespondent Ralf Neukirch

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