40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Der Mensch hinter dem Krieger
  • Kritik: Der Mensch hinter dem Krieger

    Historische Geschichten boomen zurzeit im Kino. Nach «Last Samurai» mit Tom Cruise, «King Arthur» mit Clive Owen und «Troja» mit Brad Pitt hat sich nun US-Regisseur Oliver Stone an den wohl größten Feldherrn aller Zeiten herangewagt.

    Griechische Anwälte wollten den Film stoppen, der ihren Nationalhelden als bisexuell zeigt - ohne dass es allerdings eine einzige Sex-Szene gibt. In den USA floppte «Alexander». Bereits eine Woche nach dem Kinostart flog der fast dreistündige Streifen wieder von der Liste der Top-Ten-Filme. «Langweilig» urteilten die Kritiker, das Drehbuch sei «kindisch», die schauspielerischen Leistungen teils «schockierend daneben».

    Dabei ist der 58-jährige Stone eigentlich Spezialist für komplizierte Biografien. Neben Anti-Kriegsfilmen wie «Platoon» und «Geboren am 4. Juli» verfilmte er die Lebensgeschichten von Doors- Sänger Jim Morrisson und Porno-Verleger Larry Flint. Die Rolle früherer US-Präsidenten hinterfragte er in «JFK» und «Nixon». Bei seiner üppig ausgestatteten «Alexander»-Verfilmung bleibt Stone beim Versuch, das Gefühlsleben des Kriegshelden zu ergründen, aber im Pathos stecken.

    «Ich interessiere mich für den Menschen hinter dem Kriegshelden», sagt Stone, «es gibt in meinem Film nur zwei Schlachten». Viel Raum nimmt die schwierige Kindheit von Alexander dem Großen (356-323 v.Chr.) in Makedonien ein. Seine Mutter Olympias (gespielt von einer ständig von Schlangen umgebenen Angelina Jolie) liefert sich einen erbitterten Ehekrieg mit dem trunksüchtigen Philipp (Val Kilmer als rumpelnder Haudegen).

    Nach dem gewaltsamen Tod des Vaters begibt sich Alexander auf einen nie enden wollenden Feldzug und erobert ein Reich nach dem anderen. Mit einer zahlenmäßig unterlegenen Armee besiegt er die mächtigen Perser und gelangt schließlich bis nach Indien und zum Hindukusch. Nie verliert er eine Schlacht. Durch Wüsten, Gebirge und Dschungel zieht er mit seinen Männern, die am Ende nach dem «Warum» fragen und meutern.

    Bei seinem Tod dehnte sich Alexanders Herrschaftsgebiet auf über 3,2 Millionen Quadratkilometern aus. Die wenigen Schlachtszenen sind beeindruckend. Im indischen Dschungel kämpft Alexander zu Pferde gegen einen Elefanten-Krieger. Der Held wird verletzt, und plötzlich ist die ganze Szenerie in blutrote Farbe getaucht. Solche Regieeinfälle wirken in der sonst konventionell erzählten Geschichte allerdings wie ein Bruch im Erzählfluss.

    Alexander stets treu zur Seite steht sein Heeresführer Hephaistion (Jared Leto als stark geschminkter Krieger). Er ist für den Feldherrn mehr als nur ein loyaler Freund. «Alexander empfand ein sehr tiefes Vertrauen und eine sehr tiefe Liebe für Hephaistion», sagt Stone. «Das gehört zu den schönsten Dingen im Film, es ist bahnbrechend, so etwas in einem historischen Epos zu sehen.»

    Als «furchtlos und ein bisschen wahnsinnig» beschreibt Stone seinen Helden. Der künstlich erblondete Farrell spielt Alexander in den privaten Szenen oft überzeugend. Der von Stone beschriebene Wahnsinn, das Charisma des großen Herrschers, vermittelt sich dem Zuschauer aber nicht.

    dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    -5°C - 4°C
    Montag

    -4°C - 2°C
    Dienstag

    1°C - 3°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!