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  • Kritik: Der Maler Ernst Ludwig Kirchner im Kino

    quot;Nur arbeiten, arbeiten und an sonst nichts denken"

    Die Interview-Szene stammt aus der filmischen Biografie "Zeichnen bis zur Raserei: Der Maler Ernst Ludwig Kirchner" von Michael Trabitzsch. Der knapp 90-minütige Streifen über den führenden Kopf der Künstlergruppe "Die Brücke" hat am Donnerstag (20.9) Premiere in den bundesdeutschen Kinos. Er wurde von Prounen Film Berlin und der Catpics AG (Zürich) produziert.

    Trabitzschs Film zeichnet das Leben Kirchners seit seiner Dresdner Zeit 1901 chronologisch nach. Immer wieder lösen sich dabei Blicke auf die Werke des Künstlers in bewegten Bildern auf. Die in schwarz-weiß gedrehten Filmsequenzen von diversen Schauplätzen in Dresden sollen den Betrachter in die Schaffenszeit Kirchners zurückführen.

    Zur Illustrierung des 1911 beginnenden Berliner Lebensabschnitts kostümiert der Regisseur Komparsen sogar historisch. Ein weiterer "Handlungsort" ist die Ostseeinsel Fehmarn, auf der Kirchner wiederholt arbeitete und sich erholte. Die Schweizer Zeit des Künstlers wird streng dokumentarisch erzählt. In diesem Abschnitt kommen mehrere Augenzeugen zu Wort. "Wir haben manchmal 'Kirchners' gespielt", erzählt eine alte Frau über die hochdeutsch sprechenden Fremden in der Schweizer Alpenwelt.

    Die Expressionisten-Vereinigung "Die Brücke" war 1905 in Dresden von Erich Heckel, Fritz Bleyl, Karl Schmidt-Rottluff und Kirchner gegründet worden. Bis dahin hatten die Kunst-Enthusiasten an der Technischen Hochschule der Elbestadt das Architekturfach belegt. Doch schon bald richtete sich ihr Interesse vollends auf die Kunst. Kirchners Atelier avancierte schnell zum beliebten Treffpunkt der Szene. Die dort entstehenden Aktmalereien bildeten den Ausgangspunkt einer Revolte im bürgerlichen Kunstbetrieb.

    Aber auch Landschaften, Stadtansichten und die Welt des Varietés wurden als Motiv gewählt. Die provozierend farbigen, die Gegenstände verzerrenden Bilder galten als Markenzeichen der "Brücke"-Maler, zu denen sich später noch Emil Nolde, Max Pechstein, Cuno Amiet und Otto Müller gesellten. Kirchners Chronik der Gruppe, bei der er 1913 die eigene Rolle innerhalb der Gemeinschaft übertrieben herausstrich, führte im gleichen Jahr auch zu deren Auflösung.

    "Ich muss zeichnen bis zur Raserei, nur zeichnen. Nur arbeiten, arbeiten und an sonst nichts denken", schrieb Kirchner 1919. Zu diesem Zeitpunkt war er körperlich und seelisch bereits angeschlagen. Der Erste Weltkrieg hatte den sensiblen Künstler krank gemacht. In der schweizerischen Bergwelt suchte er fortan Heilung. Doch die Wunden waren schon zu tief.

    Im letzten Lebensabschnitt geriet Kirchners Malerei immer abstrakter. Als ihn die Nazis 1937 als "entarteten Künstler" diffamierten und 639 seiner Werke aus den Museen verbannten, erlosch sein Lebensmut. Kirchner glaubte, aus dem Bewusstsein der Leute zu verschwinden. Im Juni 1938 erschoss er sich vor seinem Bauernhaus in den Bergen bei Davos.

    Jörg Schurig, dpa

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