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  • Kritik: Der Liebesfilm "Marius und Jeannette" als politische Bühne

    Frankfurt/Main (AP) "Ein Märchen aus L'Estaque", wie es im Untertitel des Originals heißt, ist es wahrlich. Was schlecht beginnt für die Kassiererin Jeannette, wird am Ende sehr gut. Viel zu gut, um wahr zu sein, aber das lag auch nicht in der Absicht von Regisseur Robert Guediguian, ausgebildeter Soziologe und ehemaliges Mitglied der kommunistischen Partei. Auch seinen siebten Film, der in Frankreich zu den erfolgreichsten Produktionen des Jahres 1997 gehört und beim Festival in Cannes mit dem Prix Special ausgezeichnet wurde, benutzt Guediguian als Ausdrucksmittel für seine politischen Ansichten.

    Die Bühne der Akteure ist ein kleiner pittoresker Innenhof eines Gemeinschaftshauses in Marseilles heruntergekommenem Stadtteil Estaque. Hier lebt die alleinerziehende Mutter Jeannette mit ihrer 17jährigen Tochter und dem zehnjährigen Sohn zusammen mit ihren Nachbarn Monique, Dede, Justin und Caroline. Vom Leben enttäuscht, träumt die hitzköpfige 40jährige dennoch den Traum einer neuen Liebe, was der gleichaltrige Wächter Marius nicht mehr zu tun wagt. Doch trotz der Bitternis des Lebens finden die beiden - nicht zuletzt durch die Hilfe von Jeannettes Nachbarn - schließlich zueinander und leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

    Vielleicht war der Film von Marius (Gerard Meylan) und Jeannette (Ariane Ascaride) in Frankreich deshalb so erfolgreich, weil der Regisseur mit seinem Werk den Wünschen und Sehnsüchten der Zuschauer entsprochen hat. "Marius und Jeannette" ist Guediguians Wunsch und Vorschlag für unsere Gesellschaft. Dabei zeigt er den idyllischen Innenhof mit seiner kleinen, liebenswerten Gemeinschaft nicht "weil er existiert, sondern damit er existiert", wie er selbst zugibt.

    Guediguian arbeitet nur mit Freunden, die seine Ansichten teilen. Ariane Ascaride ist die Lebensgefährtin des Regisseurs und Gerard Meylan dessen langjähriger Freund aus Jugendtagen. Beide Hauptdarsteller haben bisher in all seinen Filmen mitgespielt, die stets mit demselben Personenkreis besetzt sind und immer in Marseille spielen.

    Als Intellektuelle mit gesellschaftlicher Verantwortung stehen diese Menschen von Estaque über dem Streben nach Besitz und diskutieren lieber über den Sinn des Lebens, die Existenz Gottes, den Fundamentalismus und Klassengegensätze. Gerade das wirkt sehr unecht in diesem Film, in dem die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Personen keine echte Existenzangst kennen, bescheiden und anständig sind und in Frieden leben.

    Das vielstrapazierte, von Pavarotti gesungene Volkslied "O sole mio" sowie Vivaldis "Vier Jahreszeiten" wirken im Film völlig unpassend und aufgesetzt. Guediguian zeigt in seinem modernen Märchen den Soll-, nicht den Istzustand. Dabei wirkt "Marius und Jeannette" bei allem Engagement nüchtern und konstruiert und trifft nicht ins Herz.

    Von AP-Mitarbeiterin Caroline Nees

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