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  • Kritik: Der lange Weg ans Licht

    Ein junges Paar, ein junges Glück. Harmonisch und scheinbar unbeschwert verläuft das Familienleben der jungen Yumiko (Makiko Esumi) mit ihrem Mann Ikuo (Tadanobu Asano) und dem drei Monate alten Sohn. Unerwartet begeht Ikuo jedoch Selbstmord. Yumiko versinkt in tiefen Schmerz, aus dem sie nur langsam wieder ins Leben zurückfindet.

    Mit der Bewältigung von Trauer beschäftigte sich der japanische Filmemacher Hirokazu Kore-eda bereits in früheren, dokumentarischen Arbeiten. Aus diesen Erfahrungen und der literarischen Vorlage "Maboroshi no hitari" (Das Licht der Illusion) entwickelte er dann seinen visuell ausdrucksstarken Spielfilmerstling "Maboroshi - Licht der Illusion", das jetzt mit achtjähriger Verzögerung in den deutschen Kinos startet.

    Sterben, Tod und Trauer als zentrale Themen

    Fünf Jahre nach dem Selbstmord heiratet Yumiko wieder und zieht mit ihrem Sohn nach Osaka ans Meer. Die neue Umgebung und das Leben in dem kleinen Fischerdörfchen scheinen Yumiko ins Leben zurückzuführen. Doch die Frage nach dem Warum ist so quälend geblieben, dass Yumiko für ihr neues Leben doch nicht bereit ist. Eine Reise zurück an die Orte, die sie einst mit Ikuo besuchte, gerät trotz des Schmerzes aber zu einem befreienden Schritt aus ihrer emotionalen Umklammerung. Am Ende ist die junge Frau zumindest in der Lage, die Frage nach dem Warum zu artikulieren.

    Das Sterben, die Trauer und das Leben nach dem Tod sind zentrales Thema in Hirokazu Kore-edas Werk. In seinem zweiten, preisgekrönten Spielfilm "After Life" (seit April in den deutschen Kinos) widmet er sich dem Sterben und Weiterleben nach dem Tod. Seine Darstellung jenseitiger Existenz zeigt Verstorbene auf ihrer Reise in die Ewigkeit. In einer Wartestation müssen die Toten die glücklichsten Moment ihres irdischen Daseins ergründen.

    Isolation und Schmerz in wunderschönen, ruhigen Bildern

    Im Kontrast dazu steht die diesseitige Problematik des Abschiednehmens. "Maboroshi - Licht der Illusion" erzählt in wunderschönen, ruhigen Bildern von der Isolation und dem tiefen Schmerz der Hauptfigur und beschreibt eindringlich ihren beschwerlichen Weg aus der Trauer. Fast physisch glaubt der Zuschauer die seelische Pein der jungen Frau mitzuempfinden. Ohne viele Dialoge und mit einer erzählerischen Ruhe wird der Betrachter in eine intime Nähe zur Hauptfigur gebracht, wie sie im Kino nur selten zu erleben ist.

    Hirokazu Kore-eda beherrscht eine Bildsprache, die im westlichen Kino ihresgleichen sucht und dürfte den Freunden des leisen Erzähltons einen seltenen Leckerbissen vorgesetzt haben. Auf verschiedenen Festivals, unter anderem in Venedig 1995 (Bester Erstling), fand der Film entsprechende Würdigung. Am Ende entlässt er die Zuschauer optimistisch mit dem wunderschönen letzten Satz: "Bereit, geh' den Abhang hinauf".

    Angelika Piller, ddp

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