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  • Kritik: Der Künstler Basquiat im Filmporträt

    Hamburg (dpa) - Er war als erster schwarzer Künstler auf dem besten Wege, zum König der New Yorker Kunstszene aufzusteigen. Doch vielleicht war Jean-Michel Basquiat zu jung, zu wild und zu quirlig, um wirklich zu herrschen.

    Zwar schaffte das Ausnahmetalent mit den aufgetürmten Dreadlocks als 19jähriger den Sprung vom unbekannten Graffiti-Sprüher im Großstadt-Dschungel zum Star der von Weißen beherrschten Galeriewelt. Einige Zeit verdiente er fürstlich. Aber schon sieben Jahre später, 1988, brachte eine Überdosis Heroin das jähe Ende des Traums: Die Sucht nach intensivem Leben ohne Rücksicht auf Verluste und der Kampf gegen die spießige Umwelt hatten Basquiat getötet.

    So jedenfalls porträtiert Julian Schnabel, ebenfalls Maler und Wegbegleiter des Wunderjungen, die Titelfigur seines Kino- Erstlingswerks "Basquiat", das am Donnerstag in Deutschland anläuft. Dafür hat der 45jährige, der in den 80er Jahren mit großformatigen abstrakten Bildern ein Vermögen machte, eine hochkarätige Truppe "guter Bekannter und Freunde", wie er sagt, zusammengetrommelt: Von Dennis Hopper - als Kunsthändler Bruno Bischofberger - und Christopher Walken bis zu Willem Dafoe und Tatum O'Neal reicht das Aufgebot der Hollywoodgrößen, die alle für wenig oder gar kein Geld an der Low-Budget-Produktion mitwirkten.

    Viel Lob verdient außerdem Multimedia-Star David Bowie in der Rolle Andy Warhols. Auf dem Kopf echte weiße Warhol-Perücken, mimt er die Pop-Art-Ikone als alternden Kunst-Übervater, der mit dem jungen Basquiat Freundschaft schließt. Der Sohn schwarzer Einwanderer aus Haiti, der manchmal wie im Rausch bis zu acht expressive Werke pro Woche schuf, wird überzeugend verkörpert von Broadway-Darsteller Jeffrey Wright. "Der Film spielt in meiner eigenen Welt", sagt Schnabel, "und der größte Teil der Handlung ist wirklich passiert".

    Böse Zungen behaupten zwar, Schnabel wolle mit der cineastischen Huldigung des legendären Malerkollegen seinen eigenen Ruf als überheblicher Eigendarsteller endlich abstreifen. Doch der Kinoeinsteiger gibt sich selbstlos: "Die Person Jean-Michel hat es mir wirklich angetan. Nach seinem Tod wurden haufenweise falsche, sensationsheischende Darstellungen über seine Drogensucht und die Art der Beziehung zu Andy Warhol publiziert. Deshalb dachte ich, als Insider könnte ich sein Leben besser und ehrlicher erzählen."

    Für Fans der neueren Malerei bietet die Kinomischung aus Fakten und Fiktion eine an vielen Stellen humorvolle, manchmal ironische Interpretation der einflußreichen New Yorker Kunstwelt. Alle anderen Filmbesucher können sich - trotz des tragischen Endes - darauf freuen, zwei Stunden einzutauchen in das Flair der "Wilden 80er Jahre". Und manchem dürfte der Streifen auch neue Lust zu einem Museumsbesuch machen, um Werke von Basquiat, Warhol oder Schnabel zu sehen.

    Von Petra Kaminsky, dpa

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