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  • Kritik: Der heimliche Bürgerkrieg in Südkalifornien

    Es gibt Filme, die sind wie ein Schlag in den Magen, wie ein Stich in die Seele. "American History X" ist solch ein Film. Niemand verläßt ihn ohne Erschütterung. Denn was sich in den knapp zwei Stunden auf der Leinwand abspielt, ist ein Drama, das von dem heimlichen Bürgerkrieg in den USA, Rassismus und dem Kreislauf der Gewalt, aber auch der Auflehnung dagegen handelt.

    Der ungewöhnliche Held dieses Films trägt eine Hakenkreuz-Tätowierung auf der Brust und hat drei tote schwarze Diebe auf dem Gewissen. Ferner zu sehen sind in dem Film, der ab 25. Februar in Deutschland startet, zwei fürchterliche Mordtaten, die Tragödie einer Familie, die brutale Vergewaltigung eines Mannes durch Männer und das blutige Ende einer fatalen Bruderliebe.

    Es ist also ganz harte Kost - und faszinierend. Der renommierte britische Werbefilmer Tony Kaye erzählt in seinem Kinodebüt die tragische Geschichte der Brüder Derek und Danny Vinyard. Geschrieben hat das hervorragende Drehbuch der 28jährige Kalifornier David McKenna.

    Der junge Autor hat es gewagt, zwei Neonazis in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen, ihre Verirrung, Veränderung und auch ihr Scheitern. Das klingt nach Volkspädagogik oder Kolportage, ist aber weit davon entfernt. Vielmehr lernen wir den 16jährigen Skinhead namens Danny und dessen bewunderten Bruder Derek kennen, die beide den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle zwingen. Danny wählt sich zum Entsetzen seines jüdischen Lehrers Hitlers "Mein Kampf" zum Aufsatzthema über ein Buch der Weltliteratur. Sein großer Bruder Derek, der noch im Gefängnis sitzt, hat drei schwarze Einbrecher getötet, davon einen vorsätzlich und auf die grausamste Weise.

    In den Kreisen der Neonazis von Südkalifornien gilt Derek schon zuvor als charismatische Führerfigur, die Tat fördert nur seinen zweifelhaften Ruhm. Doch die Zeit im Gefängnis verändert den hartgesottenen Mann mit dem Hakenkreuz auf der Brust. Zwar schließt er sich erst der weißen Gefangenengang an. Doch deren Dummheit und Brutalität stößt ihn zunehmend ab. Derek schließt in der Wäscherei Freundschaft mit einem witzigen schwarzen Zellengenossen. Das verändert ihn, er geht auf Distanz zu seinen Gesinnungsgenossen, erst recht nach der Entlassung aus dem für ihn lebensbedrohlich gewordenen Knast.

    Es ist die besondere Qualität von "American History X", daß sich der Film nicht in ein versöhnlerisches Happy-End flüchtet, sondern den Zuschauer bis zur letzten Minute anspannt. Schade nur, daß es Krach um die nun vorliegende Kinofassung zwischen dem Regisseur einerseits, dem Produzenten sowie dem überragendenden Hauptdarsteller Edward Norton andererseits gegeben hat. Offenbar wollte Kaye nach Abdrehen des Films alles noch einmal ganz anders machen. Norton jedenfalls, einer der besten und intelligentesten jüngeren Darsteller Hollywoods, ist für seine Leistung völlig verdient mit einer Oscar-Nominierung bedacht worden. Diese ehrt auch einen Film abseits aller wohlfeilen Klischees.

    Wolfgang Hübner, AP

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